Die Deutsche Bundesbank steht vor einer personellen Herausforderung: Rund 100 Mitarbeiter, die speziell für den geplanten milliardenschweren Umbau der Frankfurter Zentrale eingestellt wurden, haben derzeit keine Aufgaben. Grund ist die Entscheidung von Bundesbankpräsident Joachim Nagel, das ehrgeizige Bauprojekt vorerst zu stoppen. Dies berichtet das manager-magazin.
Hintergrund des Baustopps
Der Umbau der legendären Bundesbank-Zentrale in Frankfurt am Main sollte eigentlich die Arbeitsabläufe modernisieren und Platz für neue Technologien schaffen. Doch angesichts steigender Kosten und veränderter Prioritäten setzte Nagel im Frühjahr 2025 die Reißleine. „Wir schließen ein Kapitel der Bundesbankgeschichte“, hieß es aus der Notenbank. Die Baukosten waren von ursprünglich 1,5 Milliarden auf über 2 Milliarden Euro gestiegen.
Betroffene Berufsgruppen
Zu den betroffenen Fachkräften zählen Architekten, Projektmanager, Bauingenieure sowie weitere Spezialisten für Bauplanung und -überwachung. Sie wurden zwischen 2022 und 2024 eingestellt, um das Großprojekt zu stemmen. Nun sitzen sie in der Zentrale oder arbeiten von zu Hause aus – ohne konkrete Projekte.
Interne Lösungen gesucht
Die Bundesbank versucht, die Mitarbeiter anderweitig einzusetzen. Ein Sprecher betonte, man bemühe sich um sinnvolle Aufgaben in anderen Bereichen der Notenbank. Dazu gehören die Digitalisierung der Geldpolitik, die Modernisierung der IT-Infrastruktur oder die Unterstützung von Filialen. Allerdings sind viele der Spezialisten hochqualifiziert und ihre Expertise nur schwer in anderen Abteilungen nutzbar.
Kosten und Alternativen
Die Gehälter der 100 Mitarbeiter belaufen sich auf mehrere Millionen Euro pro Jahr. Eine Kündigungswelle sei aber nicht geplant, da die Bundesbank als Arbeitgeber Wert auf soziale Verantwortung lege. Stattdessen prüft man Weiterbildungsmaßnahmen und Umschulungen. Auch eine vorübergehende Abordnung an andere öffentliche Einrichtungen oder die Europäische Zentralbank wird diskutiert.
Zukunft des Bauprojekts
Ob der Umbau jemals wieder aufgenommen wird, ist ungewiss. Nagel kündigte eine grundlegende Überprüfung der Baupläne an. „Wir werden das Projekt verschlanken und kosteneffizienter gestalten“, so der Bundesbankpräsident. Bis dahin bleiben die 100 Fachkräfte in der Schwebe. Die Bundesbank will bis Ende 2026 eine Entscheidung treffen.
Experten kritisieren die Planungsfehler. Der Bauausschuss des Bundestages forderte eine detaillierte Aufklärung. Die Opposition spricht von einem „Milliardengrab“. Für die betroffenen Mitarbeiter beginnt eine Zeit der Ungewissheit – mitten in Frankfurt, wo die Baukräne stillstehen.



