Ben & Jerry's-Gründer erhebt schwere Vorwürfe gegen Magnum
Die US-Eismarke Ben & Jerry's ist bekannt für ihre politischen Aktionen. Doch einer der Gründer erhebt in einem Podcast nun schwere Vorwürfe gegen Partner Magnum. Ben Cohen, Mitgründer des US-Eiscremeherstellers Ben & Jerry's, wirft dem neuen Eigentümer Magnum Ice Cream Company vor, die Marke zu ruinieren, indem er ihr verbiete, US-Präsident Donald Trump öffentlich zu kritisieren. Cohen, der die Marke 1978 gemeinsam mit Jerry Greenfield gründete, befindet sich seit Monaten in einem juristischen und öffentlichen Konflikt mit Magnum um das Recht der Marke, sich zu gesellschaftspolitischen Themen zu äußern.
„Trumpismus ist im Wesentlichen der größte Angriff auf die Werte von Ben & Jerry's seit der Gründung des Unternehmens“, sagte Cohen im Gespräch mit dem Bloomberg-Podcast „Zero“. Magnum habe der Marke untersagt, Trump zu kritisieren – und zerstöre damit genau jene werteorientierte Unternehmensstruktur, die Ben & Jerry's erst zu dem gemacht habe, was es heute ist. Das Mundtotmachen einer Marke, die für ihre progressive Haltung bekannt ist, sei nicht nur heuchlerisch, sondern könnte den Markenwert dauerhaft beschädigen.
Magnum weist Vorwürfe zurück
Magnum weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, Ben & Jerry's bleibe auch unter der neuen Eigentümerschaft eine „laute Stimme für soziale Gerechtigkeit“ und habe sich zuletzt zu Themen wie Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik, dem Konflikt im Iran sowie dem sogenannten „No Kings Day“ in den USA geäußert.
Die Wurzeln des Konflikts reichen bis ins Jahr 2000 zurück, als der Konsumgüterkonzern Unilever Ben & Jerry's übernahm. Damals wurde eine ungewöhnliche Governance-Struktur vereinbart: Ein unabhängiger Verwaltungsrat sollte die gesellschaftliche Mission der Marke schützen, während der Mutterkonzern die Produktstrategie und die finanzielle Steuerung verantwortete. Jahrelang funktionierte diese Konstruktion – Ben & Jerry's expandierte von vier auf mehr als 40 Länder, der Umsatz stieg auf das Fünffache. Im Geschäftsjahr 2024 steuerte die Marke 1,1 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz von 8,3 Milliarden Euro der Unilever-Eissparte bei.
Gaza-Kritik sorgt für Prozess
Das Verhältnis trübte sich ein, als der unabhängige Verwaltungsrat von Ben & Jerry's Unilever verklagte und dem Mutterkonzern vorwarf, der Marke öffentliche Äußerungen zum Gaza-Konflikt zu untersagen. Im Januar mussten sechs der neun unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder zurücktreten, nachdem rückwirkend eine Amtszeitbegrenzung von neun Jahren eingeführt worden war. Mitgründer Greenfield legte daraufhin im September nach fast 50 Jahren sein Mandat nieder – aus Protest gegen den seiner Ansicht nach verlorenen Markenkern.
Cohen wirbt nun öffentlich für die „Befreiung“ von Ben & Jerry's aus dem Einfluss von Magnum und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 130.000 Unterstützer gewonnen. Über den Rückzug seines langjährigen Partners Greenfield äußerte er sich mit Verständnis, aber auch mit einer gewissen Distanz: Greenfield sei „alles, was man sich in einem Freund wünscht“ – aber bekennendermaßen konfliktscheu. „Das hier ist eine Kampfsituation“, so Cohen. „Eine Art Schlachtfeld.“



