Parkgebühren an der Ostsee: Urlauber zahlen Wucher-Betrag in Zingst
Birgit und Michael Schall aus Eisenach lieben die Ostseeregion und verbringen regelmäßig ihren Urlaub an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Doch ihr jüngster Aufenthalt in Zingst wurde zum finanziellen Albtraum, als unerwartet hohe Parkgebühren ihr Budget belasteten. Das Paar kritisiert insbesondere, dass bereits ab April die Hochsaison-Preise gelten, was sie als unfair empfinden.
Hotelbuchung mit versteckten Kosten
Michael Schall, ein 63-jähriger Verkaufsberater, buchte spontan ein "faires Angebot" des Hotels IV. Jahreszeiten in Zingst. Für 138 Euro pro Nacht inklusive Frühstück und Spa-Bereich schien der Deal verlockend. Erst beim Einchecken erfuhr das Paar jedoch von einer zusätzlichen Parkgebühr von 18 Euro pro Nacht. "Wir mussten den Parkplatz nehmen, es gab keine Alternative", berichtet Schall enttäuscht.
Hauptsaison ab April: Urlauber verstehen die Logik nicht
An der Ostsee startet die Hauptsaison offiziell am 1. April. Urlauber müssen dann an Automaten zwölf Euro für ein Tagesticket bezahlen. Michael Schall hält diese Preise für übertrieben: "Für mich ist noch Vorsaison. Es gibt kaum Urlauber, die Badesaison hat noch nicht begonnen, und man kann nur am Strand spazieren gehen." Er findet sechs bis sieben Euro für ein Tagesticket angemessener.
Verwarngeld verschärft die Situation
Die Probleme begannen, als das Paar am Parkplatz am Bernsteinweg West vier Euro für zwei Stunden Parkzeit bezahlte. Aufgrund unvorhergesehener Umstände – Birgit Schall litt unter Schmerzen nach einer Fußoperation im Februar, und sie verliefen sich – kamen sie 40 Minuten zu spät zurück. Das Ordnungsamt hinterließ einen Verwarngeldbeleg über 25 Euro.
Michael Schall versuchte, die Situation vor Ort zu klären, fand jedoch beim Amt in Born verschlossene Türen vor. Telefonisch zeigte eine Mitarbeiterin laut Schall "Nulltoleranz" und machte keine Zugeständnisse. Er bot sogar an, zehn bis 15 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden, wenn das Ordnungsamt auf die Zahlung verzichten würde – ohne Erfolg.
Urlauber warnen vor finanziellen Konsequenzen
"Was sie für Parkgebühren zahlen, können sie nicht mehr im Einzelhandel oder beim Gastronomen lassen", warnt Schall. Er befürchtet, dass Urlauber ihr Geld zusammenhalten und lokale Unternehmen leiden könnten. Bei spontanen Ausflügen summieren sich die Parkkosten schnell auf über 30 Euro pro Tag.
Zukunft des Ostsee-Urlaubs ungewiss
Für Birgit und Michael Schall endet ihr Kurzurlaub am Sonnabend. Ob sie noch einmal nach Mecklenburg-Vorpommern reisen, ist ungewiss. "Wir überlegen, den nächsten Urlaub in Schleswig-Holstein zu verbringen", sagt Schall. Die Erfahrung hat ihr Vertrauen in die Region nachhaltig erschüttert.
Die steigenden Preise für Unterkünfte, Speisen, Strandkörbe und Dienstleistungen waren dem Paar bereits im vergangenen Jahr aufgefallen. In diesem Jahr kommen die überteuerten Parkgebühren als zusätzliche Belastung hinzu. Michael Schall, der oft zweimal jährlich nach Usedom fährt, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge.



