Brummi-Boss rechnet mit Spritpreisen ab: Millionen-Mehrkosten für Transportbranche
Der anhaltende Tank-Frust in Deutschland erreicht neue Dimensionen, insbesondere für die Transportbranche. Während die Spritpreise für Privatpersonen nur minimal sinken – Super liegt bei 2,22 Euro, Diesel bei 2,38 Euro pro Liter –, schlagen die hohen Kosten im gewerblichen Güterverkehr mit voller Wucht zu. Dirk Engelhardt (53), Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), warnt eindringlich vor einer „Teuerungsrate durch die Hintertür“, die letztlich alle Verbraucher trifft.
Die harte Rechnung: Bis zu 1.642 Euro Mehrkosten monatlich pro Lkw
Für Engelhardt geht die aktuelle Preisentwicklung nicht auf. Diesel ist heute rund 55 Cent teurer als vor dem Iran-Krieg. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 30 Litern auf 100 Kilometern und einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern entstehen pro Lkw zusätzliche Kosten von 1.642 Euro im Monat. Hochgerechnet auf ein Jahr summiert sich dieser Betrag auf etwa 20.000 Euro Mehrkosten pro Fahrzeug.
Die Folgen für Transportunternehmen sind dramatisch: Ein Betrieb mit einem Fuhrpark von etwa 50 Lkw muss mit fast einer Million Euro zusätzlicher Belastung pro Jahr rechnen. „Bei allem Verständnis für die Pendler, am stärksten betroffen ist der Straßen-Güterverkehr!“, betont Engelhardt im Gespräch. Da 85 Prozent aller Waren per Lkw in Supermärkte, Drogerien und Baumärkte transportiert werden, bleiben die Preisexplosionen nicht an den Tankstellen stehen.
Unternehmen können Mehrkosten nicht selbst tragen
Die Margen in der Transportbranche sind extrem gering und liegen laut Engelhardt bei durchschnittlich nur 0,1 bis 1,5 Prozent vom Umsatz. „Die können das nicht selbst verdauen“, erklärt der BGL-Chef. In der Konsequenz sind Unternehmen gezwungen, die höheren Kosten an die Endverbraucher weiterzugeben. „Damit sind die Bürger viel härter belastet mit diesen Kostensteigerungen als alles, was die Politik diskutiert“, so Engelhardt.
Seine Kritik richtet sich deutlich an die Regierung: „Alles wird teurer, weil die Regierung nichts gegen die steigenden Dieselpreise für das Straßentransportgewerbe unternimmt.“ Der Brummi-Boss fordert konkrete Maßnahmen wie Direktzahlungen an Unternehmen, eine Preisdeckelung analog zu Polen und den längst überfälligen Stopp der Doppelbelastung im Transportverkehr durch zweifache CO₂-Abgaben aus Sprit und Maut.
Branchenweite Kritik und Forderungen nach politischem Handeln
Nicht nur der BGL äußert sich besorgt. Auch andere Verbände wie der Bundesverband Möbelspedition und Logistik (AMÖ), der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) und der Bundesverband für Eigenlogistik & Verlader (BWVL) kritisieren die hohen Dieselpreise in Deutschland. Gemeinsam fordern sie eine zeitlich begrenzte Kostenbremse, um die akute Belastung zu mildern.
Der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik sieht hingegen in Tankrabatten keine nachhaltige Lösung. Stattdessen plädiert der Verband für eine dauerhafte Senkung von Energieabgaben und CO₂-Kosten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche langfristig zu sichern.
Deutschland im EU-Vergleich auf unrühmlichem Spitzenplatz
Die politische Untätigkeit ist umso bemerkenswerter, als Deutschland im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz bei den Dieselpreisen einnimmt. Nur in Dänemark ist Diesel mit 2,559 Euro pro Liter noch teurer als hierzulande (2,434 Euro). In Österreich kostet der Liter im Schnitt 2,228 Euro, in Luxemburg und Polen sogar nur 1,803 Euro.
Bislang wurde von der Politik kein spezielles Hilfspaket für die Brummi-Branche beschlossen. Engelhardt appelliert mit Nachdruck an die Verantwortlichen: „Die Vorschläge liegen auf dem Tisch. Handelt jetzt!“ Die Transportbranche wartet auf konkrete Signale, um die wirtschaftliche Schieflage zu überwinden und die Versorgungssicherheit in Deutschland langfristig zu gewährleisten.



