Europas einziges fahrendes Labor revolutioniert die Rinderzucht in Woldegk
Im beschaulichen Woldegk, an der Grenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, hat sich ein mobiles Labor niedergelassen, das die Rinderzucht nachhaltig verändert. Es handelt sich um Europas einziges fahrendes Labor zur Sortierung von Rinder-Sperma, das im November erstmals für vier Wochen auf dem Firmengelände der Rinder-Allianz Station machte und im März erneut zurückkehrte.
Moderne Technologie direkt vor Ort
Das sogenannte Sperma-Mobil, ein speziell ausgestatteter Lkw, ist mit Biologen aus Irland, den Niederlanden, Frankreich und Spanien besetzt. Um optimal arbeiten zu können, wurde das Fahrzeug an Strom, Internet, Wasser, Stickstoff und einen Abfallbehälter für Flüssigkeiten angeschlossen. „Bisher haben wir das Sperma weit weg ins Labor geschickt, jetzt kommt das Labor zu uns“, erklärt Sabine Krüger, Geschäftsführerin der Rinder-Allianz.
Im mobilen Labor werden die Spermien in X- und Y-Chromosomen sortiert, in verkaufsfertige Portionen abgefüllt und bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff eingefroren. Täglich füllt das Team rund 1200 Röhrchen mit gesextem Sperma ab. Bislang haben die Wissenschaftler in Woldegk etwa 25.000 Dosen vorbereitet, die mindestens 50 Jahre überlebensfähig sind.
Signifikantes Wachstum der Rinder-Allianz
Die Rinder-Allianz konnte ihre Sperma-Produktion deutlich steigern. In der Besamungsstation auf dem Bullenberg stehen derzeit 171 Zuchtbullen – doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Der Umsatz stieg von knapp 78 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 150 Millionen Euro im Jahr 2025. Seit dem Zusammenschluss mit vier weiteren Rinderzuchtorganisationen zur Phönix-Group im Jahr 2020 verkauft die Gesellschaft deutlich mehr Bullensperma. Allein im Gebiet der Rinder-Allianz waren das 2025 mehr als 940.000 Portionen.
Geheimes Verfahren aus den USA
Das im Mobil angewendete Verfahren ist patentiert und unterliegt strenger Geheimhaltung. Labor-Manager Alvaro Viejo erklärt lediglich, dass die weiblichen X-Chromosomen schwerer als die männlichen Y-Chromosomen sind, was die Trennung erleichtert. Das Team ist seit November auf Tour und wird von verschiedenen europäischen Zuchtverbänden in Deutschland, Island und Estland gebucht.
Höherer Bedarf an Milchkühen
Die Befruchtungsrate liegt bei 55 Prozent, sodass aus täglich 1200 sortierten Portionen theoretisch mehr als 600 Kälbchen entstehen, die meisten davon weiblich. Der Bedarf an Milchkühen ist höher als an Bullen. Dennoch ist die Zahl der Milchkühe in den zur Rinder-Allianz gehörenden Betrieben in den letzten zehn Jahren von 310.000 auf 232.000 gesunken, was vor allem auf steigende Kosten für Futter und Energie sowie niedrige Milchpreise zurückzuführen ist.
Star-Bulle Gladius und sein Erfolg
Der Star auf dem Woldegker Bullenberg ist derzeit Gladius. „Er zählt seit Jahren zu den meistverkauften Bullen der Rinder-Allianz. Von ihm wird weltweit auch gesexter Samen vermarktet“, erklärt Unternehmens-Sprecherin Wiebke Augustin. Auch das Sperma von „Mo red PP“ und „Setlur RDC“ ist aufgrund ihrer Zuchtwerte und Allround-Eigenschaften in Europa und Nordamerika gefragt.
Struktur und Mitarbeiter
Rund 250 Stallplätze sind auf dem Bullenberg in Woldegk vorhanden. Acht Mitarbeiter und eine Stationstierärztin kümmern sich um die Rinder. Im Gesamtverbund der Rinder-Allianz mit Geschäftsstellen in Woldegk, Bismark (Sachsen-Anhalt), Karo bei Plau am See und Güstrow sind 195 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 72 Besamungstechniker.
Die Rinder-Allianz plant, den Service des Weltmarktführers Inguran Group künftig häufiger in Anspruch zu nehmen, um die Effizienz und Qualität der Zucht weiter zu steigern.



