Junge Karpfen sorgen für neue Hoffnung in der Lewitz-Fischzucht
In den weitläufigen Lewitz-Teichen bei Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern kehrt neues Leben ein. Frisch aufgezogene Spiegelkarpfen aus Brandenburg wurden in diesen Tagen ausgesetzt und bringen frischen Wind in die traditionelle Fischzucht der Region. Die etwa 4,5 Tonnen schweren Fische stammen aus der Teichwirtschaft Fürstlich Drehna bei Golßen und wurden vom Betriebsleiter Matthias Gramsch persönlich nach Mecklenburg transportiert.
Neubesatz sichert Abfischfest im Oktober
Für die Mecklenburger Teichwirte bedeutet der Neubesatz eine erfreuliche Nachricht: Das beliebte Abfischfest im Oktober dieses Jahres ist damit gesichert. Hannes Wagner, Chef der Firma Lewitep, die im Auftrag des Landes Mecklenburg-Vorpommern die Teiche pflegt, hat die jungen Karpfen erworben. Der eigentlich als Holzhändler tätige Wagner entwickelte sich im vergangenen Jahr zum erfolgreichen Fischzüchter, dessen Produkte bei Kunden äußerst begehrt waren.
„Gemessen an den Nachfragen hätten wir locker das Dreifache verkaufen können“, berichtet Wagner über die vergangene Saison. Von den mehr als 8 Tonnen verfügbarem Fisch blieben damals nur etwa 200 Kilogramm übrig – ein deutliches Zeichen für die Popularität der Lewitz-Karpfen.
Persönliche Beziehungen ermöglichen Lieferung
Die Beschaffung der Satzfische gestaltete sich nicht einfach, da sie teuer und nur begrenzt verfügbar sind. Dass die Lewitzer überhaupt Karpfen aus Brandenburg erhalten haben, ist persönlichen Kontakten zu verdanken. Hermann Stahl, ehemaliger Geschäftsführer der Lewitz-Fischerei und heute Berater für Wagners Unternehmen, kennt den brandenburgischen Lieferanten aus alten Zeiten und vermittelte den Kontakt.
Die angelieferten Fische werden zunächst in einem Teich konzentriert und später auf andere Teiche verteilt. Vor der Aussetzung werden sie stichprobenartig auf ihren Gesundheitszustand untersucht, um optimale Bedingungen für ihr Wachstum zu gewährleisten.
Zukunft der Teichwirtschaft bleibt ungewiss
Trotz des erfolgreichen Neubesatzes steht die Zukunft der Lewitz-Karpfen auf unsicheren Füßen. Bisher wird nur ein kleiner Teil der verfügbaren Teichflächen für die Fischmästung genutzt. Der entscheidende Knackpunkt für eine Erweiterung der Zucht ist die dringend benötigte Reparatur der Zulaufleitung zu den Hälterteichen.
Die Leitung verläuft von der Lewitz-Schleuse an der Müritz-Elde-Wasserstraße bis zu den Teichen und müsste teilweise neu verrohrt werden. Als Besitzer der Anlage wäre das Land Mecklenburg-Vorpommern für diese Instandsetzungsarbeiten zuständig. Zwar laufen bereits Gespräche mit dem zuständigen Landwirtschaftsministerium, doch konkrete Ergebnisse stehen noch aus.
Die Lewitz-Teiche könnten problemlos ein Mehrfaches der derzeitigen Fischmenge liefern, wenn ein Vollbetrieb mit kompletter Aufzucht, Hälterteichen und notwendiger Zufütterung möglich wäre. Solange die infrastrukturellen Voraussetzungen jedoch nicht geschaffen werden, bleibt die traditionelle Fischzucht in der Lewitz von teuren Zukäufen abhängig.
Für die kommende Saison bedeutet der aktuelle Neubesatz jedoch erst einmal gute Nachrichten: Die begehrten Lewitz-Karpfen werden auch in diesem Jahr wieder verfügbar sein und das traditionelle Abfischfest im Oktober kann stattfinden. Ob sich daraus eine langfristige Perspektive für die Teichwirtschaft entwickelt, hängt maßgeblich von den politischen Entscheidungen zur Instandhaltung der Teichinfrastruktur ab.



