Sieben magere Jahre: Kaufkraft in Deutschland sinkt unter Niveau von 2019
Sieben magere Jahre: Kaufkraft sinkt unter 2019-Niveau

Sieben magere Jahre: Deutsche können sich weniger leisten als 2019

Das Leben in Deutschland wird kontinuierlich teurer. Obwohl Löhne und Renten nominal steigen, sinkt die reale Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger. Eine aktuelle Analyse zeigt: Die wirtschaftliche Situation hat sich über sieben Jahre hinweg verschlechtert.

Ökonomische Schocks reihen sich aneinander

Die deutsche Wirtschaft durchlebt eine außergewöhnliche Phase multipler Krisen. Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Energiekrise haben in rascher Folge massive ökonomische Schocks verursacht. "Die Aneinanderreihung solcher Ereignisse in den vergangenen Jahren ist einmalig", erklärt Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Vergleichbare wirtschaftlich schwierige Phasen gab es zuletzt zwischen 2000 und 2005 während der Dotcom-Blase. Damals dauerte die Krise fünf Jahre – heute sprechen Experten bereits von sieben mageren Jahren.

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Kaufkraft fällt unter Niveau von 2019

Die alarmierendste Entwicklung betrifft die Reallöhne. Diese liegen mittlerweile unter dem Niveau des Jahres 2019. Reallöhne berücksichtigen die Inflation und zeigen die tatsächliche Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Das bedeutet konkret: Die Menschen in Deutschland können sich heute weniger leisten als vor sieben Jahren. Top-Ökonom Bert Rürup bestätigt im Handelsblatt: "Das bei vielen Bürgern verbreitete Gefühl, in den vergangenen Jahren ärmer geworden zu sein, ist daher begründet."

Arbeitsmarkt zeigt bedenkliche Tendenzen

Zwar liegen die Arbeitslosenzahlen mit etwa 3 Millionen noch unter dem Höchststand von knapp 5 Millionen aus der Dotcom-Krise, doch die Entwicklung ist besorgniserregend:

  • Deutschland verzeichnet so viele Arbeitslose wie seit zwölf Jahren nicht mehr
  • Jede dritte Firma plant laut IW-Studie Stellenabbau noch in diesem Jahr
  • Neue Jobs entstehen fast ausschließlich im öffentlichen Sektor

Diese Entwicklung verschleiert das eigentliche Problem: Während die Privatwirtschaft Arbeitsplätze streicht, wächst der staatlich finanzierte Bereich.

Experten fordern Reformen nach Schröder-Vorbild

Wie kann Deutschland aus dieser Abwärtsspirale ausbrechen? Michael Grömling vom IW plädiert für mutige Reformen nach dem Vorbild der Agenda 2010 unter Gerhard Schröder:

  1. Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zur Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten
  2. Abbau überbordender Bürokratie, die Unternehmen belastet
  3. Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen

"Der Bürokratieaufwand ist hoch, also sinkt der Gewinn und die Preise für die Kunden steigen – das ist schlecht für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit", kritisiert Grömling die aktuelle Situation.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen bleiben vielfältig: Die Blockade der Straße von Hormus treibt Ölpreise in die Höhe, steigende Spritpreise belasten Bürger und Logistikbranche, und Kerosin-Mangel könnte sogar zu Flugausfällen führen. Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose voraussichtlich erneut senken müssen.

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