Gastkommentar: Mehr Gehalt statt Kündigungsschutz – so käme Deutschland nach vorne. Viele Beschäftigte scheuen einen Jobwechsel, weil sie dadurch an Sicherheit verlieren. Das verhindert Innovationen, meinen die Ökonomen Markus Brunnermeier, Simon Jäger und Benjamin Schoefer.
Das Problem mit dem Kündigungsschutz
Eine Ingenieurin arbeitet seit zwölf Jahren bei einem großen Automobilhersteller. Jetzt bekommt sie das Angebot, zu einem innovativen Start-up zu wechseln. Die Aufgabe reizt sie, das Produkt findet sie überzeugend und die Bedingungen gut; in ihrem alten Job steckt sie ohnehin in einer Sackgasse. Trotzdem zögert sie. Denn in der neuen Stelle begänne sie bei der Jobsicherheit wieder bei null: erst die Probezeit, danach ein Kündigungsschutz, der erst über Jahre anwächst. Den Schutz, den sie sich erarbeitet hat, müsste sie aufgeben. So wird aus einer sozialen Errungenschaft eine Fußfessel: Die Ingenieurin wechselt nicht zu dem attraktiveren Job, das Start-up kann nicht wachsen.
Ein Fundament mit Konstruktionsfehler
Dabei ist der Kündigungsschutz ein Fundament der Sozialen Marktwirtschaft. Er schützt vor willkürlicher Entlassung und gibt Menschen die Sicherheit, ein Leben zu planen, einen Kredit aufzunehmen oder eine Familie zu gründen. Aber gerade der deutsche Kündigungsschutz hat einen Konstruktionsfehler: Er hält Beschäftigte dort, wo sie gerade sind. Dieses Prinzip hat in einem stabilen Umfeld mit funktionierendem Wirtschaftsmodell jahrzehntelang erfolgreich funktioniert.
Mehr Gehalt als Alternative
Die Ökonomen schlagen vor, den Kündigungsschutz zu lockern und stattdessen höhere Gehälter zu zahlen. Dies würde den Arbeitsmarkt flexibler machen und Innovationen fördern. Arbeitnehmer hätten mehr Anreiz, in neue, produktivere Jobs zu wechseln, während Unternehmen leichter Fachkräfte einstellen könnten. Deutschland würde so im internationalen Wettbewerb gestärkt.



