Folgen des Iran-Kriegs: Wirtschaftsinstitute erwarten nur noch Wachstum von 0,6 Prozent
Der anhaltende Iran-Krieg zeigt deutliche Auswirkungen auf die deutsche Konjunktur. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2026 drastisch nach unten korrigiert und erwarten nun nur noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von lediglich 0,6 Prozent. Für das Jahr 2027 prognostizieren sie ein moderates Plus von 0,9 Prozent.
Energiepreisschock dämpft wirtschaftliche Erholung
Der durch den Konflikt ausgelöste Energiepreisschock trifft die deutsche Wirtschaft in einer sensiblen Phase. Vor etwa einem halben Jahr rechneten die Experten noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent – diese optimistischere Einschätzung musste nun deutlich nach unten angepasst werden. Die gestiegenen Energiepreise werden laut den Ökonomen nachhaltige Spuren in der Wirtschaftsentwicklung hinterlassen.
„Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, erklärt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des ifo Instituts in München. Die milliardenschweren Ausgabenprogramme der Bundesregierung wirken somit als stabilisierender Faktor in dieser schwierigen Phase.
Inflationsrate steigt auf 2,8 Prozent
Parallel zum gedämpften Wachstum erwarten die Institute einen deutlichen Anstieg der Inflation. Die Prognose sieht für 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,8 Prozent vor, für 2027 sogar 2,9 Prozent. Diese Entwicklung belastet insbesondere den privaten Konsum, während die expansive Finanzpolitik der Regierung für notwendige Impulse sorgt.
Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für drei zentrale Bereiche zeigt unterschiedliche Wirkungen:
- Verteidigungsausgaben stützen Unternehmen der Rüstungsindustrie
- Infrastrukturinvestitionen kommen insbesondere dem Tiefbau zugute
- Klimaschutzmaßnahmen schaffen neue wirtschaftliche Perspektiven
Industrie entwickelt sich wenig dynamisch
Trotz der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen bleibt die industrielle Entwicklung verhalten. Die Auslandsgeschäfte deutscher Unternehmen leiden unter mehreren Faktoren:
- Abnehmende Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten
- Hohe geopolitische Unsicherheiten durch den anhaltenden Konflikt
- Fortbestehende handelspolitische Belastungen und Handelshemmnisse
Die Gemeinschaftsdiagnose wird gemeinsam erarbeitet von fünf renommierten Forschungsinstituten: dem DIW in Berlin, dem ifo Institut in München, dem Kieler Institut für Weltwirtschaft, dem IWH in Halle und dem RWI in Essen. Ihre gemeinsame Einschätzung bildet eine wichtige Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen in dieser herausfordernden Zeit.



