Ifo-Institut: Iran-Konflikt bremst wirtschaftliche Erholung Deutschlands
München/Berlin • Gerade hatte die deutsche Wirtschaft nach einer langen Krisenphase begonnen, vorsichtigen Optimismus zu entwickeln, da erreicht sie die nächste Hiobsbotschaft. Der anhaltende Iran-Krieg verteuert Öl- und Gaspreise deutlich und bremst damit die konjunkturelle Erholung in Deutschland spürbar aus.
Zwei Szenarien mit unterschiedlichen Auswirkungen
Wegen der hohen weltpolitischen Unsicherheit veröffentlichte das Münchner Ifo-Institut in seiner aktuellen Frühjahrsprognose gleich zwei mögliche Entwicklungsszenarien für dieses und das kommende Jahr. Die Wirtschaftsforscher unterscheiden dabei zwischen einem Deeskalations- und einem Eskalationsszenario.
Im optimistischen Deeskalationsszenario bei einem baldigem Kriegsende könnte die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr noch um 0,8 Prozent wachsen. Dies wären allerdings 0,2 Prozentpunkte weniger als ohne den Konflikt zu erwarten gewesen wäre. Für das Jahr 2027 prognostiziert das Ifo-Institut dann ein beschleunigtes Wachstum von 1,2 Prozent.
Das deutlich pessimistischere Eskalationsszenario bei längerer Kriegsdauer zeigt gravierendere Auswirkungen: Das Bruttoinlandsprodukt würde in diesem Jahr nur noch um 0,6 Prozent zulegen und im Jahr 2027 lediglich um 0,8 Prozent wachsen. Je länger der Konflikt andauert, desto schwerwiegender werden nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher die negativen Folgen für die Konjunktur.
Inflation könnte erneut ansteigen
Neben den Wachstumseinbußen erwarten die Ökonomen des Ifo-Instituts auch Auswirkungen auf die Preisentwicklung. Im Fall eines schnellen Kriegsendes rechnen sie in diesem Jahr mit einer Inflationsrate von 2,2 Prozent – genau wie im Vorjahr 2025. Der eigentlich erwartete leichte Rückgang um 0,2 Prozentpunkte würde damit ausbleiben.
Im Eskalationsszenario könnte sich die Teuerung sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Der Krieg im Iran würde damit nicht nur das Wirtschaftswachstum dämpfen, sondern auch den Preisauftrieb in Deutschland vorübergehend wieder anheizen.
Staatliche Ausgaben als Stabilisator
Trotz der düsteren Prognosen gibt es auch einen Hoffnungsschimmer. Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser betont: „Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen.“ Grund dafür sind die staatlichen Mehrausgaben in wichtigen Bereichen:
- Infrastrukturprojekte
- Maßnahmen zur Klimaneutralität
- Verteidigungsausgaben
Diese staatlichen Investitionen wirken als stabilisierender Faktor und verhindern, dass die konjunkturelle Erholung auch bei längerer Kriegsdauer ganz zum Erliegen kommt. Die wirtschaftliche Dynamik wird gedämpft, aber nicht vollständig gestoppt.
Die aktuelle Ifo-Prognose unterstreicht damit die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von globalen geopolitischen Entwicklungen und zeigt, wie schnell externe Schocks die mühsam errungene wirtschaftliche Stabilisierung gefährden können.



