Ifo-Prognose: Kurze Atempause für deutsche Wirtschaft in Sicht
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in der längsten Stagnationsphase seit 1949. Mit dem erhofften Kriegsende im Iran hellen sich die Aussichten auf – jedoch nur vorübergehend. Das Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose veröffentlicht und sieht dank hoher Staatsausgaben und des möglichen Friedensschlusses eine Atempause voraus. Bis Ende des Jahrzehnts droht jedoch ein neuerlicher Einbruch in die Stagnation, falls die Bundesregierung keine Reformen umsetzt.
Wachstumsprognose leicht angehoben
Für das laufende Jahr haben die Münchner Ökonomen ihre Wachstumsprognose auf 0,8 Prozent leicht nach oben korrigiert. Auch im kommenden Jahr könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent zulegen. Diese Zuwächse sind jedoch maßgeblich auf die schuldenfinanzierten hohen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung zurückzuführen, wie Ifo-Chefkonjunkturforscher Timo Wollmershäuser erklärte. „Dieser fiskalische Schub hat jedoch seinen Preis“, warnte er.
Inflation bleibt hartnäckig
Die Nachwirkungen des kriegsbedingten Energiepreisschocks werden sowohl laut Bundesbank als auch laut Ifo noch länger zu spüren sein. Die Bundesbank rechnet für die nächsten Monate mit einem Anstieg der Inflation auf über drei Prozent. Das Ifo-Institut prognostiziert für das Gesamtjahr eine Teuerung von 2,9 Prozent und erwartet auch im nächsten Jahr noch vergleichsweise hohe 2,7 Prozent. Für Verbraucher bedeutet das eine anhaltende Belastung.
Steigende Staatsschulden und Steuererhöhungen
Ifo-Präsident Clemens Fuest betonte: „Und wenn nichts passiert, wird das in den nächsten Jahren so weitergehen. Und das heißt zwingend, dass auch Steuern und Abgaben massiv steigen werden.“ Dies wiederum werde das Wirtschaftswachstum reduzieren. Das Institut erwartet einen Anstieg der Staatsschuldenquote von derzeit gut 63 auf 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Mittelfristige Aussichten düster
„Wir haben also derzeit steigende Staatsausgaben, eine stagnierende Wirtschaftsleistung und sinkende private Investitionen“, so Wollmershäuser. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft bis Ende des Jahrzehnts auf „historisch niedrige 0,1 Prozent“ sinken wird. „Das Potenzialwachstum ist im Grunde genommen nichts weiter als das durchschnittliche Wachstum unserer Volkswirtschaft“, erklärte er.
Energiepreise: Ende des Tankrabatts sorgt für Verteuerung
Obwohl im Persischen Golf das Kriegsende mit der Unterzeichnung des Rahmenabkommens durch die USA und den Iran in greifbare Nähe gerückt ist, wird die Inflationsrate in Deutschland laut Bundesbank nicht schlagartig zurückgehen. „Nach dem Auslaufen des befristeten Tankrabatts dürfte die Energieteuerung zunächst wieder höher ausfallen“, heißt es im Monatsbericht für den Juni. Auch Nahrungsmittel könnten teurer werden, weil Erzeuger höhere Energiekosten auf die Preise aufschlagen. Die seit 1. Mai geltende Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um knapp 17 Cent pro Liter läuft Ende Juni aus.
Optimistischere Szenarien möglich
Ifo-Konjunkturforscher Wollmershäuser sieht jedoch zumindest die Möglichkeit, dass die Energiepreise auch schneller wieder sinken könnten. „Die Märkte gehen jetzt davon aus, dass wir im nächsten Jahr fast schon wieder dort sind, wo wir eigentlich vor Ausbruch des Krieges waren“, sagte der Ökonom mit Blick auf die Preisentwicklung der vergangenen Tage. „Wenn das tatsächlich so kommen sollte, dann denke ich mal, wird die Inflationsrate auch relativ schnell wieder zurückgehen.“



