Harvard-Studie: Low Carb oder Low Fat? Es kommt auf die Qualität an
Harvard-Studie: Qualität der Nahrung entscheidend

Berlin. Eine neue Harvard-Studie räumt mit einem weit verbreiteten Diät-Mythos auf. Seit Jahrzehnten streiten Anhänger von Low Carb und Low Fat darüber, welche Methode besser zum Abnehmen und für die Gesundheit ist. Doch die aktuelle Untersuchung der renommierten Universität zeigt: Entscheidend ist nicht das Etikett der Diät, sondern der tatsächliche Inhalt des Tellers.

Die Studie im Detail

Forschende der Harvard University werteten die Daten von fast 200.000 Frauen und Männern aus, die über rund 30 Jahre hinweg ihre Ernährung dokumentierten. Die Ergebnisse wurden im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht. Die zentrale Erkenntnis: Es reicht nicht aus, einzelne Nährstoffe wie Kohlenhydrate oder Fett zu reduzieren. Viel wichtiger ist die Zusammensetzung der Lebensmittel.

Studienleiter Zhiyuan Wu, Epidemiologe an der Harvard University, erklärt: „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass es nicht einfach darum geht, Kohlenhydrate oder Fett zu reduzieren. Entscheidend ist die Qualität der Lebensmittel, aus denen Menschen diese Ernährungsweisen zusammenstellen.“

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Low Carb ist nicht gleich Low Carb

Eine kohlenhydratarme Ernährung kann reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, pflanzlichen Ölen und Ballaststoffen sein. Sie kann aber ebenso aus Speck, Wurst, Butter, Käse und industriell verarbeiteten Ersatzprodukten bestehen. Auf dem Papier tragen beide Varianten denselben Namen – für den Körper sind sie jedoch keineswegs gleichwertig.

Ähnlich verhält es sich bei Low Fat: Wer Fett reduziert, dafür aber Weißbrot, gezuckerte Müslis, Softdrinks oder stark verarbeitete Fertiggerichte isst, ernährt sich nicht automatisch gesund. Fettarm bedeutet nicht nährstoffreich.

Gesunde Lebensmittel sind entscheidend

Die Harvard-Forschenden fanden Hinweise darauf, dass sowohl gesunde Low-Carb- als auch gesunde Low-Fat-Ernährungsweisen mit besseren Herz-Kreislauf-Werten verbunden sein können – allerdings vor allem dann, wenn sie auf hochwertigen Lebensmitteln beruhen. Dazu zählen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und gesunde Fette aus Nüssen, Samen, Olivenöl oder Fisch.

Deutlich schlechter schnitten Ernährungsweisen ab, die viele stark verarbeitete Produkte, tierische Fette, verarbeitetes Fleisch oder nährstoffarme Lebensmittel enthielten. Auch ein Mangel an Obst, Gemüse, Vollkorn und Ballaststoffen wirkte sich ungünstig aus.

Positive Effekte auf die Herzgesundheit

Bei Teilnehmern mit insgesamt hochwertigerer Ernährung zeigten sich unter anderem höhere Werte des HDL-Cholesterins, des sogenannten „guten“ Cholesterins, das überschüssiges Cholesterin aus dem Blut abtransportiert. Zugleich lagen bestimmte Blutfette und Entzündungsmarker niedriger. Die Gruppe mit besserer Ernährungsqualität hatte zudem ein deutlich geringeres Risiko für eine Koronare Herzkrankheit, eine der Hauptursachen für Herzinfarkte.

Befreiende Botschaft für den Alltag

Die Studie stellt Low Carb oder Low Fat nicht grundsätzlich infrage, entzaubert aber den Absolutheitsanspruch solcher Konzepte. Wer nur auf das Verhältnis von Fett, Kohlenhydraten und Eiweiß blickt, kann leicht am Wesentlichen vorbeisehen: an der Qualität der Lebensmittel selbst.

Für den Alltag bedeutet das eine befreiende Nachricht. Statt strenger Regeln, Grammangaben und Verbote geht es eher darum, häufiger zu pflanzlichen Lebensmitteln, Vollkornprodukten und gesunden Fetten zu greifen – und stark verarbeitete Produkte, Zucker sowie minderwertige Fette zu reduzieren. Studienleiter Wu sagt: „Wer auf die gesamte Qualität der Ernährung achtet, kann flexibler eine Ernährungsweise wählen, die zu den eigenen Vorlieben passt und trotzdem die Herzgesundheit unterstützt.“

Stärken und Grenzen der Untersuchung

Die Aussagekraft der Untersuchung ist beachtlich: Fast 200.000 Menschen wurden über einen langen Zeitraum begleitet, insgesamt kamen mehr als 5,2 Millionen Personenjahre zusammen. Dennoch hat die Studie Grenzen: Die Angaben zur Ernährung beruhten auf Selbstauskünften, die ungenau sein können, und die Teilnehmer arbeiteten im Gesundheitswesen, was zu einem höheren Gesundheitswissen führen könnte.

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Trotzdem sieht Harlan Krumholz, Kardiologe an der Yale University und Chefredakteur des Journals, in den Ergebnissen eine wichtige Einordnung: „Diese Studie hilft, die Debatte über kohlenhydratarme versus fettarme Ernährung hinter sich zu lassen. Für die Herzgesundheit zählt vor allem, welche Lebensmittel Menschen tatsächlich essen.“