DIW senkt Wachstumsprognose für Deutschland deutlich
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Konjunkturprognose für Deutschland erheblich nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr erwarten die Berliner Ökonomen nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent. In der vorherigen Prognose war das Institut noch von einem Plus von einem Prozent ausgegangen. Auch für das kommende Jahr wurde die Prognose von zuvor einem Prozent auf nun 0,8 Prozent gesenkt.
Nahost-Konflikt belastet die Konjunktur
Hauptgrund für den Pessimismus sind die anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Erst vor wenigen Tagen hatten sich Israel und der Iran erneut beschossen, und in der Nacht auf Mittwoch griffen der Iran und die USA einander an. Eine dauerhafte Öffnung der wichtigen Straße von Hormus, durch die ein Fünftel der weltweiten Ölexporte transportiert wird, ist weiterhin nicht absehbar. Die Energiepreise sinken nach dem Kriegsschock bislang nicht wie erhofft. Bei der vorherigen Prognose waren die Ökonomen an dieser Stelle noch optimistischer.
„Der Schock dämpft das Wachstum und treibt zugleich die Preise“, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Für die Inflation erwarten sie und ihr Team eine Rate von 2,9 Prozent im laufenden Jahr und drei Prozent im kommenden Jahr.
Industrie zeigt leichte Erholung, aber keine Trendwende
Trotz der Krise steht die deutsche Wirtschaft bislang besser da als erwartet. Das Statistische Bundesamt hatte erst am Dienstag bekanntgegeben, dass die Produktion in der kriselnden Industrie im April nach vier Rückgängen in Folge im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zulegte. Allerdings wäre es ein Trugschluss, daraus die Hoffnung auf einen Aufschwung in den nächsten Monaten abzuleiten. „Die Stimmung ist deutlich schlechter als die Lage“, begründet Dany-Knedlik das. Das DIW erwartet für die beiden Sommerquartale sogar, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft.
Die Produktionsdaten stellten keine Trendwende dar, sagte Dany-Knedlik. Vielmehr zeigten die positiven Daten aus April offenbar Vorzieheffekte der Wirtschaft: Angesichts der undurchsichtigen Entwicklung der kommenden Monate und der Weitergabe der hohen Energiepreise hätten einige Unternehmen Aufträge vorgezogen, die in der Zeit danach ausbleiben.
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