DIW korrigiert Konjunkturprognose: Deutschland in technischer Rezession
DIW: Deutschland in technischer Rezession

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert. Die Berliner Ökonomen sehen Deutschland angesichts des aktuellen Energiepreisschocks vorübergehend in einer Rezession. Im Frühjahrs- und Sommerquartal dürfte die Wirtschaftsleistung leicht schrumpfen, wie die Fachleute zu ihrer aktualisierten Prognose erklärten. Bei zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit sinkendem Bruttoinlandsprodukt sprechen Experten von einer technischen Rezession.

Staatliche Investitionen als Stütze

Zum Jahresende hin werde sich die Wirtschaft stabilisieren – auch dank des Finanzpakets der Bundesregierung. „Dass die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt noch wächst, ist allein der öffentlichen Hand zu verdanken“, sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das DIW nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum, für 2027 mit plus 0,8 Prozent. Im März, kurz nach Beginn des Irankriegs, hatte das Institut noch 1,0 Prozent für 2026 und 1,4 Prozent für 2027 erwartet.

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung spürbar – aber wir erleben kein zweites 2022/23“, betonte Dany-Knedlik. „Der Schock ist kleiner, die Energieversorgung ist noch gesichert, und Deutschland ist heute weniger abhängig von fossilen Importen als nach Beginn des Ukrainekriegs.“

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Risiko einer Schrumpfung

Steigende Verteidigungsausgaben und verzögert wirkende Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sorgen demnach für leichtes Wachstum. Der private Konsum komme dagegen nur langsam in Schwung. Die exportorientierte Industrie erhole sich angesichts struktureller Schwächen und außenwirtschaftlicher Unsicherheit nur zögerlich. In einem Negativszenario schätzt das DIW, dass die Wirtschaft 2026 sogar um rund 0,5 Prozent schrumpfen könnte.

„Die finanzpolitischen Impulse fangen den konjunkturellen Rückschlag aber nicht vollständig auf“, erklärte die DIW-Ökonomin. „Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sondervermögen zügig und tatsächlich zusätzlich abfließen und nicht nur ohnehin bereits geplante Investitionen finanzieren.“ Sonst falle der Impuls schwächer aus als erhofft.

Kritik am Tankrabatt

Die Bundesregierung sollte dringend zielgenaue Maßnahmen umsetzen, um Menschen mit geringen Einkommen zu entlasten und das Armutsrisiko zu reduzieren. „Eine Energiekostenpauschale – ähnlich wie 2022 – ist dafür das richtige Instrument“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Der Tankrabatt für Mai und Juni dagegen sei teuer, nicht zielgenau und unterstütze auch die Mineralölkonzerne. „Die Bundesregierung sollte diesen Fehler nicht ein zweites Mal wiederholen und den Tankrabatt daher nicht über den 30. Juni hinaus verlängern.“

Inflation und Arbeitsmarkt

Die Inflation dürfte nach DIW-Schätzung mit 2,9 Prozent in diesem und 3,0 Prozent im kommenden Jahr deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent der Europäischen Zentralbank liegen. Die Arbeitslosenquote werde voraussichtlich auf 6,4 Prozent steigen, bevor sie 2027 wieder leicht auf 6,2 Prozent sinke. Die höheren Ausgaben der öffentlichen Hand dürften für ein größeres Staatsdefizit sorgen: 3,9 Prozent in diesem und 4,3 Prozent im kommenden Jahr.

Einen spürbaren Impuls durch die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada für die gesamte deutsche Wirtschaft erwartet das DIW nicht. Allerdings könne es in bestimmten Branchen wie der Gastronomie positive Effekte geben, sagte Dany-Knedlik.

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