Börsenkonzerne stutzen über 100 Gewinnziele: Konjunkturflaute trifft Schlüsselbranchen
Über 100 Gewinnwarnungen: Börsenkonzerne in der Krise

Börsenkonzerne müssen 2025 mehr als 100 Gewinnziele stutzen

Angesichts einer anhaltenden Wirtschaftsflaute und globaler Krisen müssen reihenweise börsennotierte Unternehmen bei ihren Gewinnzielen zurückrudern. Eine aktuelle Studie der Strategieberatung EY-Parthenon zeigt, dass im vergangenen Jahr insgesamt 118 Gewinnwarnungen verzeichnet wurden. Dies stellt zwar einen Rückgang gegenüber den Vorjahren dar – 2024 gab es 153 und 2023 sogar 160 solcher Meldungen – doch die Zahlen bleiben auf einem besorgniserregend hohen Niveau.

Konservative Planungen als Grund für den Rückgang

Der Rückgang der Gewinnwarnungen ist laut Experten nicht allein auf eine leicht verbesserte wirtschaftliche Lage zurückzuführen. Vielmehr haben viele Unternehmen ihre Prognosen vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre deutlich zurückhaltender formuliert und Unsicherheiten stärker einkalkuliert. Andreas Warner, Restrukturierungsexperte bei EY-Parthenon, erklärt: „Viele Unternehmen formulieren ihre Prognosen vor dem Hintergrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre zurückhaltender und kalkulieren Unsicherheiten stärker ein.“

Auto- und Chemiebranche stark unter Druck

Besonders hart traf die Konjunkturflaute Schlüsselbranchen wie die Chemie und den Automobilbau. Laut der Studie mussten allein in den großen Börsenindizes Dax, MDax und SDax im Jahr 2025 rund 60 Prozent der Automobilunternehmen und 50 Prozent der Chemieunternehmen ihre Prognosen nach unten korrigieren. Während sich die Lage in der Autoindustrie gegenüber 2024 leicht besserte, verdoppelte sich die Zahl der Gewinnwarnungen in der Chemiebranche. Hier machen teure Energie und eine sinkende Nachfrage von Kunden aus der Auto- und Baubranche den Unternehmen erheblich zu schaffen.

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Medien und Schwerindustrie besonders betroffen

Insgesamt stand der Medien- und Technologiesektor unter besonders starkem Druck, mit allein 24 Gewinnwarnungen im Jahr 2025. Sinkende Printauflagen und eine Flaute bei Werbebudgets belasteten die Umsätze, während gleichzeitig hohe Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz notwendig waren. Gestiegene Zinsen und eine restriktive Kreditvergabe führten dazu, dass Unternehmen aus der Finanz-, Immobilien- und Beteiligungsbranche 20-mal ihre Prognosen senken mussten. Der Schwerindustrie, etwa dem Maschinenbau, erging es mit 18 Gewinnwarnungen nur wenig besser.

Viele Ursachen und ein Hauch von vorsichtigem Optimismus

Die Gründe für die Gewinnwarnungen waren vielfältig. Schwache Nachfrage und Umsatzrückgänge wurden in 54 Prozent der Fälle genannt. Es folgten hohe Finanzierungskosten (17 Prozent), auch weil Banken hohe Anforderungen stellen. Probleme mit Lieferketten und steigenden Kosten (je 14 Prozent) gingen dagegen zurück. Für das laufende Jahr könnte es mit der Erholung der deutschen Wirtschaft wieder weniger Gewinnwarnungen geben, so die Einschätzung von EY-Parthenon. Dennoch sei Vorsicht geboten: Der Krieg im Iran, hohe Energiekosten, die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft und die anhaltende Konsumschwäche bleiben zentrale Risikofaktoren.

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