Vom Seifensieder zum Haarfarbenhersteller: Die bewegte Geschichte von Zitza Zeitz
Das ehemalige Zitza-Werk in Zeitz, in dem kürzlich ein Dachstuhlbrand wütete, birgt eine faszinierende Industriegeschichte. Ursprünglich errichtet als Produktionsstätte der Firma Oehmig und Weidlich Ende des 19. Jahrhunderts, steht das Gebäudeensemble heute als stummes Zeugnis deutscher Wirtschaftsentwicklung.
Ein Industriekomplex mit architektonischer Vielfalt
Zum Gelände gehören nicht nur die charakteristischen Industriebauten – zwei- bis fünfgeschossige große Häuser, von denen eines mit einer markanten Klinkerfassade versehen ist, wenn auch stark verfallen. Besonders hervorsticht die dreigeschossige Villa mit ihrem etwas höheren, eckigen Turm, die auf dem ausgedehnten Industriekomplex thront, der sich über dem Mühlgraben erhebt. Der Zugang erfolgte historisch wie heute über den Wasserberg, was die strategische Lage des Werks unterstreicht.
Von der ersten deutschen Seifensiederei zum DDR-Kombinat
Die Firma Oehmig und Weidlich wurde bereits 1807 gegründet und gilt als erste Seifensiederei und Parfümfabrik Deutschlands – eine Pionierleistung in der deutschen Industriegeschichte. Interessanterweise diversifizierte das Unternehmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sein Produktportfolio und stellte zusätzlich Kakao- und Zuckerwaren her. Nach der Enteignung im Jahr 1945 wurde der Betrieb als VEB Zitza Zeitz weitergeführt und erlangte insbesondere durch Haarpflegeprodukte, Haarfarben und -tönungen sowie Kosmetikartikel überregionale Bekanntheit.
Zitza gehörte zum Chemischen Kombinat Miltitz und wurde als Betriebsteil des VEB Deutsches Hydrierwerk Rodleben in die DDR-Wirtschaft integriert. Das Ende kam wie für viele Zeitzer Unternehmen mit der politischen Wende 1990. Die Treuhand-Anstalt verkaufte das Werk an eine vermutlich hamburgische Firma, bevor es 1996 endgültig geschlossen wurde.
Brandereignis rückt historisches Erbe in den Fokus
Am 27. Februar brannten Balken des bereits teilweise eingestürzten Dachstuhls des ehemaligen Zitza-Werkes, was die Aufmerksamkeit auf dieses bedeutende Industriedenkmal lenkte. Der Brand unterstreicht nicht nur die aktuelle Gefährdung historischer Bausubstanz, sondern erinnert auch an die Notwendigkeit, solche Zeugnisse der Industriegeschichte zu bewahren und zu schützen.



