Siemens überholt SAP als wertvollstes Dax-Unternehmen nach Prognoseerhöhung
Das erste Quartal des Geschäftsjahres hat für Siemens außerordentlich stark begonnen. Der Konzern aus München konnte nicht nur beeindruckende Zahlen vorlegen, sondern hat auch seine Prognose für das laufende Jahr nach oben korrigiert. Diese positive Entwicklung spiegelt sich unmittelbar an der Börse wider: Die Siemens-Aktie stieg am Vormittag um mehr als 6 Prozent an und überholte damit bei der Marktkapitalisierung erneut den Software-Riesen SAP, dessen Kurs nur moderat zulegte.
Starker Start ins Geschäftsjahr mit klarer Gewinnentwicklung
Im ersten Geschäftsquartal, das von Oktober bis Dezember lief, erzielte Siemens einen Gewinn von 2,22 Milliarden Euro. Zwar liegt dieser Wert unter dem Vorjahresergebnis von 3,87 Milliarden Euro, doch damals war ein massiver Sondereffekt von 2,1 Milliarden Euro aus dem Verkauf des Elektromotorenherstellers Innomotics enthalten. Betrachtet man den besser vergleichbaren Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten, zeigt sich ein kräftiger Anstieg um knapp ein Viertel – ein deutliches Signal für die operative Stärke des Unternehmens.
Siemens-Chef Roland Busch kommentierte die Zahlen mit klaren Worten: „Nach einem starken Start ins Geschäftsjahr heben wir unseren Ausblick an.“ Konkret bedeutet dies, dass die Spanne für den Gewinn pro Aktie nach oben angepasst wurde. Diese Prognoseerhöhung unterstreicht das Vertrauen des Managements in die anhaltende positive Geschäftsentwicklung.
Gemischte Gefühle beim Rennen um die Dax-Spitze
Das Überholen von SAP im Wettbewerb um den Titel des wertvollsten Unternehmens im deutschen Leitindex Dax löste bei Busch gemischte Gefühle aus. „Ich freue mich über die Entwicklung von Siemens, der Wertverlust von SAP ist dagegen absolut unerfreulich. Man braucht ein starkes SAP.“ Diese Aussage zeigt, dass trotz des eigenen Erfolgs die Gesundheit des gesamten deutschen Börsenumfelds im Blick bleibt.
Bei der Hauptversammlung des Unternehmens, die vor rund 3.500 Aktionären und Gästen stattfand, konnte Busch die beeindruckende Wertentwicklung von Siemens in den vergangenen Jahren präsentieren. Die Aktie hat sich deutlich besser entwickelt als der Dax insgesamt, was zu anhaltendem Applaus der Aktionäre führte.
Boomende Sparten treiben das Wachstum voran
Den größten Beitrag zum aktuellen Ergebnis lieferte erneut die Sparte Smart Infrastructure, die um 18 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro zulegte. Diese Einheit profitiert maßgeblich vom weltweiten Aufbau von Rechenzentren, dessen Nachfrage derzeit boomt. Der scheidende Finanzchef Ralf P. Thomas bezeichnete den Auftragseingang in diesem Bereich im ersten Quartal als „herausragend“.
Eine deutliche Erholung zeichnet sich auch bei der zuletzt schwächelnden Sparte Digital Industries ab. Hier sprang das Ergebnis um 37 Prozent auf 804 Millionen Euro, vor allem getrieben durch die Belebung im Automatisierungsgeschäft – insbesondere in China. Die Auftragseingänge stiegen um 15 Prozent, was darauf hindeutet, dass die Nachfrageschwäche sich allmählich auflöst. Finanzchef Thomas zeigte sich „verhalten optimistisch“, betonte jedoch, dass viel von der Stimmung der Kunden abhänge, die angesichts der aktuellen Weltlage schwanken könne.
Die kleinste der drei Sparten, Mobility, läuft ebenfalls rund und verzeichnete einen Ergebnisanstieg um 15 Prozent auf 286 Millionen Euro. Konzernweit stiegen sowohl der Umsatz auf 19,1 Milliarden Euro als auch der Auftragseingang auf 21,4 Milliarden Euro, was nominellen Zuwächsen von 4 Prozent beziehungsweise 7 Prozent entspricht.
Künstliche Intelligenz als starker Wachstumstreiber
„Siemens ist in seinen Wachstumsmärkten sehr gut positioniert“, betonte Konzernchef Busch. Ein zentraler Faktor für diesen Erfolg ist die Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in alle Unternehmensbereiche. „Indem wir KI tief in Design, Entwicklung, Produkten und Betrieb integrieren, schaffen wir messbaren Mehrwert für unsere Kunden.“ Diese Strategie hat sich als starker Wachstumstreiber erwiesen und trägt maßgeblich zur robusten Performance bei.
Insgesamt ist Siemens stark in sein neues Geschäftsjahr gestartet. Die Kombination aus soliden Quartalszahlen, einer erhöhten Prognose und der Überholung von SAP im Dax unterstreicht die dynamische Entwicklung des Konzerns. Mit fokussierten Wachstumsstrategien und einer klaren Ausrichtung auf Zukunftstechnologien wie KI und Rechenzentren scheint Siemens gut aufgestellt, um seine führende Position weiter auszubauen.



