Die Bundesregierung hat nach langem Warten ihre Luftfahrtstrategie vorgelegt. Doch der Kommentar fällt ernüchternd aus: Es fehlt der nötige Ehrgeiz, um eine der wenigen wachsenden Branchen in Deutschland nachhaltig zu unterstützen. Die verpassten Chancen könnten sich bald bitter rächen.
Zu wenig konkrete Maßnahmen
Die Strategie liest sich wie eine Aneinanderreihung guter Vorsätze. Zwar werden einige Maßnahmen genannt, wie die Förderung von nachhaltigem Kerosin aus Strom und Wasserstoff. Auch will die Regierung Airbus bei der Entwicklung eines Nachfolgers für den A320 unterstützen, um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Doch wie diese Unterstützung konkret aussehen soll, bleibt unklar. Angesichts der enormen Bedeutung der A320-Familie für die deutsche Luftfahrtindustrie ist das viel zu vage.
Digitalisierung und Luftraummanagement
Auch beim Thema Luftraummanagement bleibt die Regierung hinter den Möglichkeiten zurück. Ein modernes, digitalisiertes System wird zwar erwähnt, aber die Verantwortung wird vor allem an europäische Gremien delegiert. Dabei ist der Handlungsbedarf groß: Engpässe bei Fluglotsen führen regelmäßig zu Verspätungen. Eine nationale Vorreiterrolle, etwa durch ein KI-gestütztes Management des oberen Luftraums, könnte Standards setzen – doch diese Chance wird nicht genutzt.
Insgesamt fehlt der Strategie der Mut, klare Prioritäten zu setzen und konkrete Schritte zu benennen. Die Branche braucht mehr als Absichtserklärungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.



