Dräger kritisiert plötzliche Kurswechsel der Politik und lobt Reformansätze
Dräger: Plötzliche Kurswechsel sind schlecht

Der Lübecker Unternehmer Stefan Dräger hat sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur für verlässliche politische Rahmenbedingungen ausgesprochen. „Wir Unternehmer können uns ja anpassen und verändern“, betonte der Chef des Medizin- und Sicherheitstechnikkonzerns Drägerwerk. „Nur plötzliche Veränderungen sind halt schlecht.“

Kontinuität als Wert – Kritik an Kehrtwenden

Dräger verwies auf die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Kontinuität stets ein hoher Wert gewesen sei. Sie habe sich an Aussagen ihrer Vorgänger gebunden gefühlt, auch wenn sie anders dachte. „Es ist deshalb schon ein bisschen problematisch, wenn die Bundesregierung Sachen ihrer Vorgänger einfach wieder zurückdrehen will“, sagte Dräger. Allein die Idee sei aus psychologischer Sicht ungünstig. „Rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln, das ist ganz schlecht.“

Als konkretes Beispiel nannte Dräger das Hin und Her beim Verbrenner-Aus. „Es war unglaublich, wie die deutsche Glaubwürdigkeit in Brüssel dadurch minimiert wurde. Und nebenbei auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie.“

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Lob für die Regierung trotz Kritik

Trotz seiner Kritik an plötzlichen Kurswechseln zeigte sich Dräger grundsätzlich zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. „Ich würde der Regierung nicht so ein allgemein schlechtes Zeugnis ausstellen, wie das vielfach passiert. Das liegt höchstens am etwas ungünstigen Erwartungsmanagement der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Denn es passiert tatsächlich bereits eine Menge Gutes, zum Beispiel bei der Migration und auch bei anderen Themen.“

Auch die deutsche Bürokratie fand lobende Worte: „Die handelnden Menschen in den Behörden sind wirklich meistens gutwillig, sehr engagiert und um Verbesserungen bemüht.“

Rentenreform und flexible Arbeitszeitmodelle

Als Positivbeispiel für Regierungshandeln nannte Dräger die Möglichkeit für Rentner, bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen. „Das ist eine Verbesserung, die wir gerne nutzen. Der Bedarf nimmt zu.“ In seinem Unternehmen verdienten sich mittlerweile immer mehr Ruheständler etwas hinzu.

Die aktuelle Debatte um Arbeitszeit und Renten hält Dräger für berechtigt. „Ich selber propagiere, sich ruhig mit Mitte 50 eine Auszeit zu nehmen oder die Stundenzahl zu reduzieren und im Gegenzug nach Eintritt des gesetzlichen Rentenalters noch weiterzuarbeiten bis 70“, sagte Dräger. „Das ist für alle von Vorteil: Die Rentner müssen keine Sozialabgaben mehr zahlen, sie haben dadurch mehr Geld in der Tasche und auch der Arbeitgeber spart. Da geht noch mehr.“

Bürokratie aus Brüssel und Berlin

Der 63 Jahre alte Dräger, der das Familienunternehmen in sechster Generation führt, kritisierte zugleich die Bürokratie aus Brüssel. „Wenn ich in Berlin bin, wird dort oft über Brüssel geklagt“, sagte Dräger. „Vor kurzem habe ich mir aber in Brüssel ein eigenes Bild verschafft und auch mit handelnden Akteuren gesprochen. Die klagen über Berlin und sagen: Wir wollen hier die Bürokratie abbauen. Wir haben erkannt, dass wir da ein bisschen zu weit gegangen sind. Aber da werden Leute aus einigen Ministerien von Berlin nach Brüssel geschickt, um hier Sand ins Getriebe zu streuen und Entbürokratisierungsbemühungen zu hintertreiben.“ Dräger nannte das mit deutschem Steuerzahlergeld bezahlte Schikane.

Das Unternehmen Drägerwerk mit Hauptsitz in Lübeck beschäftigt weltweit rund 17.000 Mitarbeiter, davon mehr als 5.000 in Lübeck.

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