Verfallene DDR-Militärplattform vor Rügen versteigert
DDR-Militärplattform vor Rügen versteigert

Verfallene DDR-Militärplattform vor Rügen versteigert

Eine ungewöhnliche Immobilie aus den Zeiten des Kalten Krieges hat einen neuen Besitzer. Mitten im Greifswalder Bodden, vor der Küste Rügens, wurde eine ehemalige Entmagnetisierungsstation der DDR-Volksmarine versteigert. Die als Ostervilm bekannte Anlage ist ein verlassener Ort, schwer zugänglich, stark beschädigt und von Wasser umgeben. Das österreichische Unternehmen McCube, spezialisiert auf Fertighäuser, erhielt den Zuschlag für 60.000 Euro.

DDR-Relikt aus militärischer Nutzung

Errichtet wurde die Plattform in den 1950er-Jahren, etwa 1954. Sie steht auf rund 600 Holzpfählen in etwa zehn Metern Wassertiefe, mehrere Kilometer vor der Insel Vilm. Zu DDR-Zeiten erfüllte die Anlage eine militärische Funktion: Mithilfe von im Meeresboden verlegten Kabeln sollte die magnetische Signatur von Schiffen reduziert werden. Ziel war es, Marineschiffe vor Magnetminen zu schützen – ein Verfahren, das im Kalten Krieg von strategischer Bedeutung war. Auf der Plattform befanden sich damals unter anderem ein Wohnhaus und ein Maschinengebäude.

Lost-Place-Auktion mit ungewöhnlichen Bedingungen

Versteigert wurde das Objekt am Donnerstag im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg. Das Mindestgebot lag bei 39.000 Euro. Für 60.000 Euro hat das österreichische Unternehmen McCube den Zuschlag bekommen. Konkrete Pläne gebe es allerdings noch nicht, auch rechtliche, technische und naturschutzfachliche Rahmenbedingungen müssten noch geprüft werden. Der Käufer hat jedoch kein klassisches Grundstück erworben, sondern ein Nutzungsrecht für die Wasserfläche. Grundlage ist ein Vertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund, für den jährlich rund 75 Euro fällig werden.

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Die Gesamtfläche von Land- und Wasserbereich beträgt etwa 710 Quadratmeter, die nutzbare Fläche rund 250 Quadratmeter. Erreichbar ist die Plattform ausschließlich per Boot. Eine Besichtigung vor der Auktion war wegen des schlechten Zustands nicht vorgesehen. Auch Oliver Pesendorfer, Chef von McCube, hat die Militärstation noch nie gesehen.

Verfall statt Vision

Die Beschreibung im Auktionskatalog zeichnete ein deutliches Bild: Die Anlage gilt als stark sanierungsbedürftig. Genannt werden Setzungsrisse, verrostete Stahlteile und zerstörte Fenster. Witterung, Vogelkot und Vandalismus haben dem Bauwerk zusätzlich zugesetzt, an den Mauern wachsen bereits Algen. Nach der Wiedervereinigung verlor die frühere Militäranlage ihre Funktion und verfiel zunehmend. Inzwischen hat sich das Areal auch zu einem Rückzugsort für Vögel entwickelt, was eine mögliche Nutzung zusätzlich erschwert.

Gescheiterte Pläne für Kulturprojekt

Zuletzt gehörte die Plattform dem Architekten Gerhard Benz und dem Maschinenbauingenieur Peer Wenmakers. Beide verfolgten Pläne, den Ort in eine Kunst- und Kulturstätte umzuwandeln. Diese Ideen scheiterten jedoch an rechtlichen Vorgaben, hohen Kosten und logistischen Herausforderungen. Auf der Plattform befindet sich noch eine freistehende Keramikglocke des Künstlers Benz, die separat erworben werden kann.

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