Die Debitkarte von Trade Republic wiegt 20 Gramm, ist hochwertig verpackt und hat ein einzigartiges Spiegeldesign. So etwas habe ich bisher bei keiner anderen Bankkarte gesehen. Der erste Eindruck wirkt edel. Schon seit Januar 2024 bin ich Trade-Republic-Kunde. Wegen der Zinsen für das Cashkonto war ich mit meinem Depot ursprünglich zu dem Fintech gewechselt.
Hintergrund: Vom Broker zur Neobank
Zu der Zeit war der Berliner Broker schon im Aufbruch und führte nach Erhalt der Vollbanklizenz Ende 2023 zahlreiche Neuerungen ein – im ersten Schritt die Kreditkarte. Anfang 2024 hatte ich mich direkt in die Warteliste eingetragen und die Debitkarte von Visa bestellt, als ich an der Reihe war. Als die IBAN zum Cashkonto angeboten wurde, habe ich auch diese über die App von Trade Republic aktiviert und getestet. Das sind meine Erfahrungen mit dem Neobroker.
Im Jahr 2015 als Broker gegründet, hat sich Trade Republic von einem kleinen Start-up zu einem der wertvollsten Fintech-Konzerne Europas entwickelt. Rund zehn Millionen Kunden in über 18 Ländern zählt das Fintech, das laut eigenen Angaben 150 Milliarden Euro Vermögenswerte verwaltet. Ursprünglich als Broker mit Fokus auf Wertpapieren gegründet, bietet Trade Republic mit der Visa-Debitkarte und dem Cashkonto mit IBAN und aktuell 2,25 Prozent Zinsen mittlerweile viele Bankdienstleistungen an.
Aktivierung und erster Eindruck
Die virtuelle Debitkarte war direkt nach dem Antrag in der App verfügbar. Die Integration in Apple Pay funktionierte problemlos – ebenso die erste Zahlung im Supermarkt. Eine Woche später lag die physische Mirrorkarte im Briefkasten, die ebenfalls direkt nach dem Erhalt funktionierte. Die PIN hatte ich vorab über die Banking-App festgelegt. Hier lassen sich auch viele Parameter wie das Zahlungslimit einstellen und das Cashback verwalten.
Die Einrichtung der IBAN gestaltete sich ebenfalls unkompliziert. Nachdem ich den Aktivieren-Button gedrückt hatte, war die IBAN über mein Banking-Profil direkt einsehbar. Eine für mich wichtige Neuerung ist, dass ich Geld vom Girokonto meiner Hausbank jetzt direkt zu Trade Republic überweisen kann und nicht mehr die Partnerbank ansteuern muss.
Alltagstest: Bezahlen und Bargeldabhebung
Das Bezahlen im Supermarkt war mit der virtuellen Debitkarte ohne Probleme möglich. Direkt nach der Zahlung bekam ich eine Pushmitteilung aufs Smartphone. Über die Banking-App konnte ich dann später einsehen, wie viel Cashback die Transaktion gebracht hat. Optional können Kunden auch eine Aufrundungsregel aktivieren – dieses Geld fließt dann in einen Sparplan.
Die physische Mirrorkarte muss einmal im Terminal eingesteckt werden, damit die kontaktlose Zahlung funktioniert. Auch das hat in meinem Test direkt nach dem Erhalt der Debitkarte von Trade Republic problemlos geklappt. Etwas heikel wurde es wenige Wochen später im Bürgeramt, da dort die Kartenzahlung für den neuen Reisepass nicht funktioniert hat. Das Amt akzeptiert nur Zahlungen mit Girokarte (EC-Karte) – oder eben Bargeld.
An allen Visa-Akzeptanzstellen kann mit der Kreditkarte von Trade Republic Bargeld abgehoben werden. Das funktionierte im Test an den getesteten Geldautomaten (Sparkasse und Volksbank) und in Supermärkten, wo zusammen mit dem Einkauf auch Bargeld abgehoben werden kann. Kostenlos ist der Bargeldbezug am Automaten ab 100 Euro. Ansonsten berechnet Trade Republic pauschal einen Euro Gebühr. Ein Hintertürchen zeigte sich im Praxistest beim Abheben von Bargeld an der Supermarktkasse. Wer Bargeld zusammen mit den Einkäufen möchte, kann mit der Kreditkarte von Trade Republic auch Beträge unter 100 Euro abheben, ohne dass die Ein-Euro-Gebühr berechnet wird. In meinem Test hat das bei Aldi funktioniert, bei Kaufland nicht.
Cashback und Zinsen: Vorteile mit Einschränkungen
Ein großer Vorteil der Kreditkarte von Trade Republic war im Test das Cashback. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Ein-Prozent-Saveback viel. Bis zur missglückten Zahlung im Bürgeramt und dem Bargeldbezug bei Kaufland hat es im Test auch keine Akzeptanzprobleme mit der Kreditkarte von Trade Republic gegeben.
Auch mit dem Cashkonto, das ich seit Januar getestet habe, hat es keine Probleme gegeben. Die Zinsen wurden zuverlässig zum 1. jeden Monats ausbezahlt. Über die App ist die Zinsberechnung transparent einsehbar. Von „Finanztip“ wird Trade Republic für das Tagesgeld allerdings nicht mehr empfohlen. Der Finanzratgeber bemängelt, dass das Geld nicht bei Trade Republic liegt, sondern von Partnerbanken verwahrt oder sich in Geldmarktfonds befindet.
Ich habe mich bewusst für Trade Republic als Tagesgeld-Alternative entschieden. Allerdings gibt es mittlerweile Banken, die über 4 Prozent Zinsen zahlen. Das Problem bei vielen Banken mit deutscher Einlagensicherung ist, dass die Zinsen nach wenigen Monaten deutlich sinken. Durch die Inflation verliert das Geld mehr an Wert, als über die Zinsen eingeholt wird.
Den Ansatz von Trade Republic, einen Teil des Guthabens in Geldmarktfonds anzulegen, sehe ich nicht als Nachteil. Zumal einige Experten die Geldmarktfonds (Geldmarkt-ETFs) als Alternative zum Tagesgeld empfehlen können. Sie zählen zu den Wertpapieren mit dem geringsten Verlustrisiko.
Kritik: Fehlende Trennung von Tagesgeld und Alltag
Ein weitaus größeres Problem in meinem Test war, dass mit der Kombination aus Debitkarte und Cashkonto die Ersparnisse mit den alltäglichen Ausgaben vermischt wurden. Das Cashback motiviert, statt der Girokarte der Hausbank die Visakarte von Trade Republic zu nutzen – so passiert es, dass der Wocheneinkauf mit dem Geld aus dem Notgroschen bezahlt wird. Das ist aus meiner Sicht ein Nachteil: Das Tagesgeld sollte eine finanzielle Notreserve sein und nicht für Alltagsausgaben herhalten. Die Möglichkeit von Unterkonten bietet Trade Republic nicht an. Ich habe die Ausgaben mit der Kreditkarte immer per Überweisung vom Girokonto ausgeglichen.
Hier muss Trade Republic aus meiner Sicht nachsteuern, um eine gleichwertige Alternative zur Hausbank zu sein. Neben fehlenden Unterkonten, die andere Konkurrenten haben, fehlt für mich zudem die Option einer Girokarte (EC-Karte). Ich habe die Debitkarte in einer ländlicheren Region getestet, wo ich mit Mastercard und Visa schnell an Grenzen komme. Zumindest in der Übergangsphase – wo noch keine flächendeckende Akzeptanz gewährleistet ist – sollte eine Girokarte zumindest optional angeboten werden.
Fazit: Gute Ergänzung, aber keine vollwertige Alternative
An sich gibt es bei der Debitkarte kaum etwas zu bemängeln. Bargeldverfügbarkeit, Akzeptanz und die kostenlose Nutzung im In- und Ausland sind gegeben und vergleichbar mit den Funktionen anderer Debitkarten wie von der ING, DKB, C24 oder Comdirect. Ich habe für meinen Erfahrungsbericht mit der Mirror-Debitkarte für 50 Euro gearbeitet. Rückblickend reicht aus meiner Sicht aber die Classic-Variante für einmalig fünf Euro aus. Außer dem optischen Mehrwert bietet die Metallkarte keinen Vorteil. Im Gegenteil: Nach einer Weile – in meinem Test binnen vier Wochen – ist durch Fingerabdrücke und die Gebrauchsspuren auch der optische Mehrwert reduziert. Überall, wo das kontaktlose Zahlen möglich ist, kann zudem die virtuelle Debitkarte genutzt werden.
Ich werde das Cashkonto und die Kreditkarte auch nach dem Test weiter nutzen. Die Debitkarte werde ich aber nur für höhere Beträge nutzen, bei denen sich das Cashback lohnt, und den Betrag einmal im Monat über eine Überweisung ausgleichen – die Trennung von Tagesgeld und Alltagsausgaben ist mir wichtig. Ein weiterer Vorteil ist aus meiner Sicht, dass Trade Republic ebenfalls ein Depot anbietet. Von Aktien über ETFs und Kryptowährungen bis zu Anleihen bietet die Berliner Neobank eine breite Auswahl. Anlagen sind schon ab einem Euro möglich. Die Debitkarte sowie die Zinsen sind für mich eine nette Ergänzung, die ich nutze. Dass das Geld im Cashkonto bei Partnerbanken und teils in Geldmarkt-ETFs liegt, sollte man im Hinterkopf haben.



