Umfrage: Deutsche wollen vergessenes Kontogeld für soziale Zwecke nutzen
Deutsche wollen vergessenes Kontogeld für soziale Zwecke

Deutsche fordern sozialen Einsatz für vergessenes Kontogeld

Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen spricht sich dafür aus, dass Geld auf vergessenen Konten für soziale Zwecke verwendet werden soll und nicht bei den Banken verbleibt. Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der SOS-Kinderdörfer weltweit hervor, die im Februar bundesweit durchgeführt wurde.

Klares Votum gegen Bankenbehaltung

Die Umfrageergebnisse zeigen eine deutliche Position der Bevölkerung: 86 Prozent der Befragten befürworten, dass Vermögen auf sogenannten nachrichtenlosen Konten nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen sollte. Nur zwei Prozent finden, das Geld solle bei den Banken verbleiben, während acht Prozent eine Übertragung an den Staat bevorzugen.

Nachrichtenlose Konten sind Konten, auf die seit Jahren niemand mehr zugegriffen hat und für die sich keine Berechtigten melden. Einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums zufolge sollen bis zu 4,2 Milliarden Euro auf solchen Konten liegen. Der Verband Deutscher Erbenermittler schätzte das Volumen in der Vergangenheit sogar auf bis zu neun Milliarden Euro.

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Deutschland als internationaler Nachzügler

Die SOS-Kinderdörfer weltweit kritisieren, dass Deutschland der einzige G7-Staat sei, der den Umgang mit vergessenem Vermögen nicht gesetzlich geregelt habe. In Großbritannien etwa würden Gelder auf inaktiven Konten seit 2008 in einen Sozialfonds fließen, wobei für die rechtmäßigen Inhaber eine lebenslange Rückzahlungsgarantie bestehe.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag eigentlich darauf verständigt, mit dem Geld Fonds für soziale Innovationen einzurichten. „Deutschland hinkt hier international hinterher“, kommentiert Petra Sorge-Booms, Vorständin der Hilfsorganisation.

Forderungen nach zentralem Register

Petra Sorge-Booms fordert ein zentrales Register, das Erben den Zugang zu Vermögensansprüchen erleichtert. Auch der Verband Deutscher Erbenermittler spricht sich für ein solches Register aus, in dem vergessene Konten erfasst werden. Für Vermögen bei Privatbanken in Deutschland bietet der Bankenverband bereits einen Suchservice für Erben an.

Mangelnde Dokumentation bei vielen Bürgern

Die Umfrage zeigt zudem erhebliche Defizite bei der privaten Vermögensdokumentation: Nur 30 Prozent der Befragten haben ihre eigenen Konten, Depots und Schließfächer vollständig dokumentiert und mit ihren Angehörigen oder Erben darüber gesprochen. 24 Prozent haben gar nichts dokumentiert und weitere 24 Prozent nur einen Teil ihres Vermögens bei Banken. 14 Prozent haben zwar alles aufgeschrieben, aber nie mit ihren Erben darüber gesprochen.

„Wer seine Vermögenswerte nicht dokumentiert und mit Angehörigen bespricht, riskiert, dass das eigene Ersparte unauffindbar wird“, warnt Sorge-Booms eindringlich. Banken löschen nach rund 30 Jahren meist entsprechende Konten, wobei das Geld dann bei den Instituten verbleibt.

Die Forsa-Umfrage basiert auf bundesweit rund 1600 zufällig ausgewählten deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren und zeigt eine klare gesellschaftliche Erwartungshaltung gegenüber Politik und Finanzinstituten.

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