Strom in Reutlingen zurück – Rätsel um Brandstifter bleibt
Strom zurück in Reutlingen – Brandstifter unbekannt

Nach dem verheerenden Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen ist die Stromversorgung für sämtliche Privathaushalte wiederhergestellt. Wie die FairNetz GmbH mitteilte, sind lediglich noch rund 50 Kunden im Gewerbegebiet ohne Strom. Der Netzbetreiber Netze BW rechnet damit, dass auch diese letzten Industrie- und Gewerbekunden bis spätestens Mittwoch wieder ans Netz gehen können. „Hoffentlich ist die Vollversorgung morgen wiederhergestellt“, erklärte Richard Huber, Leiter der systemübergreifenden Infrastruktur bei der Netze BW.

Schaden in Millionenhöhe

Die vollständige Behebung des Gesamtschadens wird nach Hubers Angaben noch Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Dies habe jedoch keine Auswirkungen auf die Stromkunden. Die genauen Kosten für die Reparaturarbeiten seien derzeit noch nicht bezifferbar, dürften aber im Millionenbereich liegen, so Huber.

Ermittlungen ohne heiße Spur

Während die Stromversorgung weitgehend läuft, tappen die Ermittler bei der Suche nach den Tätern und dem möglichen Motiv weiterhin im Dunkeln. „Wir ermitteln ergebnisoffen weiter“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) in Stuttgart. Es gebe bislang keine Hinweise auf einen politischen Hintergrund. „Wir haben kein Bekennerschreiben.“ Der am Tatort gesicherte mögliche Brandbeschleuniger sowie weitere Asservate werden derzeit kriminaltechnisch analysiert.

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Das Ermittlungsverfahren wird beim Staatsschutzzentrum der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt. Grund dafür ist, dass der Tat möglicherweise eine extremistische Motivation zugrunde liegen könnte. „Eine Bekennung zur Tat wurde hier bislang nicht bekannt“, bestätigte auch ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Stuttgart.

Kritische Infrastruktur schwer zu schützen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) betonte, dass kritische Infrastruktur wie die Stromversorgung nur bedingt geschützt werden könne. „Die Vorstellung, dass wir alle Umspannwerke quasi von der Öffentlichkeit abschirmen, die ist kaum durchsetzbar“, sagte Özdemir in Stuttgart. Dennoch werde geprüft, welche Verbesserungen nach dem Brand mit dem großflächigen Stromausfall möglich seien. „Es geht darum, unsere Resilienz zu stärken, um möglichst wenig angreifbar zu sein“, so Özdemir. Es sei jedoch zu früh, um konkrete Lehren aus dem Vorfall in Reutlingen zu ziehen.

Die Netze BW äußerte sich nicht zu ihren Sicherheitskonzepten, etwa zu Kameras auf dem Gelände. Man schärfe die Sicherheitskonzepte für alle Anlagen immer wieder nach, sagte Huber. „Wir akzeptieren nicht, dass Anlagen einfach angreifbar sind.“ Details nannte er nicht. Eine vollständige Sicherheit gebe es jedoch nicht. Zudem sei ab einem bestimmten Maß an Sicherheitsvorkehrungen auch die Politik gefordert. „Da sehen wir die Verantwortung eher beim Staat als bei uns.“ Wenn jemand mit entsprechender Vorbereitung und Ausrüstung eine Anlage schädigen wolle, könne man sich vorstellen, welcher Art die Zäune sein müssten. „Und das war bisher definitiv nicht die Aufgabe der Netzbetreiber.“

Brandbeschleuniger entdeckt

Die bisherigen Ermittlungen haben Hinweise auf einen eingesetzten Brandbeschleuniger ergeben. Die kriminaltechnischen Analysen und Laboruntersuchungen dauern an. Das Verfahren wird derzeit gegen unbekannt wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe geführt.

Auswirkungen des Stromausfalls

Reutlingen hat knapp 120.000 Einwohner und liegt am Fuße der Schwäbischen Alb. Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) waren rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen. Der Brand im Umspannwerk Reutlingen-West war in der Nacht zu Montag ausgebrochen. In der Folge fiel das Umspannwerk aus, eine weitere Anlage wurde in Mitleidenschaft gezogen. Zeitweise waren Zehntausende Menschen ohne Strom, auch ein Krankenhaus war betroffen.

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Laut der Stadt Reutlingen sind alle betroffenen Privathaushalte provisorisch wieder mit Strom versorgt. Rund 50 Mittelspannungskunden – in der Regel Großverbraucher, die direkt an ein leistungsstärkeres Stromnetz angeschlossen sind – seien noch nicht am Netz. „Das bedeutet, dass das Industriegebiet Mark West voraussichtlich erst morgen Abend wieder Strom hat. In den betroffenen Gebieten ist die Polizei mit zusätzlichen Kräften im Einsatz.“

Aus Schutz vor möglichen Plünderungen soll eine am Montag entsandte Hundertschaft des Polizeipräsidiums in Reutlingen so lange nachts im Einsatz sein, bis die Stromversorgung komplett wiederhergestellt ist. „Sie sind präsent, um mögliche Straftaten zu verhindern und den Bürgern ein Ansprechpartner zu sein“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten fahren Streife und sind auch zu Fuß unterwegs.