EWE-Chef Dohler: Keine höheren Gaspreise trotz Nahost-Konflikt - Sorge um Speicherfüllung
EWE: Keine höheren Gaspreise trotz Nahost-Konflikt

EWE-Chef beruhigt Verbraucher: Keine sofortigen Gaspreiserhöhungen trotz Nahost-Konflikt

Der Oldenburger Energieversorger EWE rechnet trotz der dramatischen Eskalation im Nahen Osten und den dadurch ausgelösten Preissteigerungen am Weltmarkt vorerst nicht mit höheren Gaspreisen für seine Kunden. EWE-Chef Stefan Dohler betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass das Unternehmen wie gewohnt Gasmengen für seine Kundschaft beschafft habe und über einen sehr hohen Anteil an Festpreisverträgen verfüge.

Festpreisverträge bieten Sicherheit für Verbraucher

„Wir haben einen sehr hohen Anteil von Festpreisverträgen, die Preise in der Regel für eine Laufzeit von einem Jahr garantieren. Da machen wir keine Abstriche“, erklärte Dohler. Selbst in der Grundversorgung, wo diese Art der Preisabsicherung nicht existiert, zeichne sich derzeit keine kurzfristig notwendige Preiserhöhung ab. Insgesamt versorgt EWE aktuell fast eine halbe Million Kundinnen und Kunden mit Erdgas-Lieferverträgen.

Weltmarktpreise durch Iran-Krieg deutlich gestiegen

Die Handelspreise für Gas sind aufgrund des Krieges im Iran zuletzt erheblich in die Höhe geschnellt. Der Transport von Flüssigerdgas aus den Förderregionen am Persischen Golf ist durch die wichtige Straße von Hormus faktisch zum Erliegen gekommen, was die Zukunft der Produktion ungewiss macht. Die Weltmärkte reagierten darauf mit heftigen Preisausschlägen.

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Dohler gab an, dass der Gaspreis zuletzt in der Spitze bei rund 65 Euro pro Megawattstunde gelegen habe. Vor der Eskalation des Konfliktes seien es lediglich 30 Euro gewesen. „Die Aufregung ist etwas aus dem Markt raus, aber Gas ist immer noch signifikant teurer als es vor dem Konflikt der Fall war“, so der EWE-Manager.

Langfristige Auswirkungen möglich

Die Preissituation könnte sich ändern, falls der Konflikt länger andauern sollte. „Wenn wir dauerhaft höhere Gaspreise auf dem Weltmarkt haben, dann müssten wir diese Kosten in der Beschaffung etwas zeitversetzt an die Kunden weitergeben – das müssten dann alle Energieversorger machen“, sagte Dohler. Der Zeitpunkt hänge vom Fortlauf des Konfliktes ab, wobei es sich eher um Monate als Wochen handeln würde.

Größte Sorge: Befüllung der Gasspeicher

Aktuell zeichne sich keine Mangellage bei der Gasversorgung in Deutschland ab, betonte der EWE-Vorstandsvorsitzende. Deutschland beziehe Flüssigerdgas hauptsächlich aus den USA und Pipelinegas aus Norwegen. Allerdings beunruhigt Dohler die Ausgangslage nach diesem Winter erheblich.

„Die größere Sorge ist im Moment, wie wir die Speicher wieder befüllen können bis zum nächsten Winter. Dafür brauchen wir bessere Lösungen, um die Befüllung der Speicher gut hinzubekommen“, erklärte der EWE-Chef. Normalerweise sinken die Gaspreise im Sommer, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und einspeichern können. Doch je höher die Gaspreise im Sommer sind, desto weniger lohnt sich das Befüllen der Speicher.

Historisch niedriger Füllstand

Schon im vergangenen Jahr waren Preissignale ausgeblieben, die Erdgasspeicher stärker zu befüllen. Inzwischen hätten die deutschen Gasspeicher mit einem Füllstand von etwa 20 Prozent den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreicht, warnte Dohler. „Nach einem einigermaßen normalen Winter sind wir nun auf einem historischen Minimum.“

Debatte um strategische Gasreserve

Laut Dohler könnte künftig eine strategische Gasreserve helfen, um für Krisenfälle vorzusorgen. Einen solchen Erdgas-Notvorrat hatten zuletzt auch die Gas-Speicherbetreiber vorgeschlagen. Berechnungen des Branchenverbandes Ines zufolge könnte mit einer Reservemenge von bis zu 78 Terawattstunden ein vollständiger Ausfall norwegischer Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage überbrückt werden.

Ob es eine solche strategische Gasreserve geben wird, ist noch offen. Hintergrund ist das Auslaufen der aktuellen Regelungen zu Gasspeicher-Mindestfüllständen im kommenden Jahr. Die Regierungskoalition hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, „geeignete Instrumente“ für eine „versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung“ auf den Weg zu bringen.

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