BASF-Chef Markus Kamieth warnt vor schwerwiegenden Folgen des Nahost-Konflikts für die Energiemärkte
Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Markus Kamieth, hat eindringlich vor einem möglichen neuen Ölpreisschock gewarnt, der durch den anhaltenden Iran-Krieg ausgelöst werden könnte. „Bei Öl kommen wir jetzt langsam an den Punkt, wo die Reserven jetzt auch langsam mal verbraucht sind“, erklärte Kamieth während einer Veranstaltung des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Sollte die Straße von Hormus nicht bald wieder für den Schiffsverkehr freigegeben werden, drohe in der zweiten Jahreshälfte „nochmal ein Preisschock auch bei Öl und bei raffinierten Produkten“.
Auswirkungen der gesperrten Straße von Hormus
Die Blockade der strategisch wichtigen Meerenge hat weitreichende Konsequenzen. Laut Kamieth verliert die Welt dadurch lediglich drei Prozent an Gas, jedoch rund 20 Prozent an Öl. Da im Nahen Osten zahlreiche Raffinerien ansässig sind, steigt der Anteil bei raffinierten Produkten wie Treibstoffen und vielen Chemieerzeugnissen sogar auf bis zu 40 Prozent. Der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg hat die Ölpreise an den Weltmärkten bereits deutlich in die Höhe getrieben und die Inflation angeheizt. Autofahrer spüren dies an den Tankstellen, während Unternehmen unter gestiegenen Transportkosten leiden. Zwar hat sich der Ölpreis inzwischen etwas normalisiert, doch er verharrt nahe der Marke von 100 Dollar je Barrel der Nordseesorte Brent.
Gaspreis bereitet weniger Sorgen
Beim Thema Gas zeigte sich Kamieth hingegen gelassen. „Der Gaspreis steigt zwar mit Spekulation, aber das ist nicht meine größte Sorge“, betonte er. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass China als großer Verbraucher von Gas und Flüssiggas bei steigenden Preisen auf Kohle umstelle. Dadurch sinke der Gasbedarf in Fernost, was den Markt entlaste. Eine Rückkehr zu günstigem russischem Gas lehnte der BASF-Chef jedoch kategorisch ab. „Die Idee, die manche Politiker aus Parteien am rechten Ende des Spektrums generieren, wenn man Nordstream wieder anschaltet, geht der Gaspreis in Europa runter, ist Unsinn. Es wird nicht funktionieren, weil der Gas preissetzende Mechanismus in Europa Flüssiggas bleibt.“
Kritik an der deutschen Energiepolitik
Kamieth übte scharfe Kritik an der Energiepolitik in Deutschland und Europa. „Deutschland und Europa wird nie ein günstiger Gasstandort sein, weil wir kein eigenes Gas fördern. Das ist auch eine eigene Entscheidung. Wir wollen das als Gesellschaft nicht. Wir sind offensichtlich gerne ein Industrieland mit wenig Energie.“ Diese Haltung habe direkte Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Schwierigste Zeit für die Chemiebranche seit 25 Jahren
Die Chemiebranche durchlebe derzeit wohl ihre schwierigste Phase seit einem Vierteljahrhundert, so Kamieth. Der Druck auf die energieintensive Produktion sei enorm, insbesondere bei Grundchemikalien wie Ammoniak, die in Europa hohe CO2-Abgaben kosteten. Dennoch zeigte er sich nicht fatalistisch: „Europa wird auch in zehn Jahren eine starke Chemiebranche haben, auch wenn sie dann anders aussieht.“
BASF auf Sparkurs
Kamieth will den schwächelnden Chemieriesen wieder auf Erfolgskurs bringen. BASF kämpft seit Jahren mit teurer Energie in Deutschland, Überkapazitäten am Weltmarkt und starker Konkurrenz aus China. Das Stammwerk in Ludwigshafen, wo mit rund 33.000 Beschäftigten etwa ein Drittel der weltweiten Belegschaft arbeitet, ist seit langem defizitär. Kürzlich kündigte der Konzern an, die Fixkosten im Kerngeschäft um bis zu 20 Prozent senken zu wollen – was mit einem weiteren Stellenabbau verbunden ist. Kamieth plant, BASF stärker auf das Kerngeschäft auszurichten. So soll die Mehrheit am Lackgeschäft an den US-Finanzinvestor Carlyle verkauft werden, während die Agrarsparte an die Börse gebracht werden soll.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die globale Chemieindustrie vor enormen Herausforderungen steht. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, hohen Energiepreisen und strukturellen Veränderungen zwingt Unternehmen wie BASF zu tiefgreifenden Anpassungen.



