Milliardenkosten für ungenutzten Ökostrom: Jeder Deutsche zahlt 36 Euro für Phantom-Strom
36 Euro pro Kopf für ungenutzten Ökostrom - Milliardenkosten

Milliardenbeträge für ungenutzten Strom: Die teure Seite der Energiewende

Die deutsche Energiewende zeigt eine kostspielige Schattenseite: Immer häufiger muss produzierter Ökostrom abgeregelt werden, weil die Netzkapazitäten nicht ausreichen. Für diesen ungenutzten "Phantom-Strom" zahlen die Steuerzahler Milliardenbeträge - eine Belastung, die jetzt politische Gegenmaßnahmen provoziert.

Explodierende Kosten für abgeregelten Ökostrom

Die Zahlen der Bundesnetzagentur offenbaren ein drastisches Problem: Allein zwischen Juli und September 2025 mussten 1157 Gigawattstunden Solarstrom abgewürgt werden - das entspricht einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Windkraftanlagen an Land waren es 747 Gigawattstunden, ein Plus von 46 Prozent. Die vorläufigen Gesamtkosten für diese drei Monate beliefen sich auf rund 667 Millionen Euro.

Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2025 ergibt sich eine erschreckende Bilanz: Die Bundesbürger haben Strom im Wert von etwa drei Milliarden Euro bezahlt, der niemals genutzt wurde. Umgerechnet bedeutet dies eine Belastung von 36 Euro pro Einwohner.

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Rechtliche Grundlage und politische Reaktionen

Die hohen Kosten entstehen durch gesetzliche Regelungen: Betreiber von Ökostrom-Anlagen erhalten Entschädigungszahlungen, wenn ihre Anlagen wegen Netzüberlastungen gedrosselt werden müssen. Besonders betroffen sind Regionen mit vielen Wind- oder Solaranlagen, aber geringem lokalen Strombedarf.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant nun einschneidende Änderungen: Für Neuanschlüsse von Öko-Anlagen in stark belasteten Netzgebieten sollen künftig keine Entschädigungen mehr gezahlt werden. "Deutschland kann und sollte sich nicht immer größere Mengen an Phantom-Strom leisten", kommentiert Prof. Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut diese Pläne.

Expertenmeinungen und kritische Stimmen

Energie-Ökonom Prof. Andreas Löschel von der Universität Bochum betont die Notwendigkeit, stärker auf die Effizienz der Energiewende zu achten und Systemkosten zu senken. Gleichzeitig warnt Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, vor möglichen negativen Folgen: Die geplanten Maßnahmen "bergen die Gefahr einer Zubaublockade für die Erzeugungskapazitäten und können direkt zu Energieknappheit und steigenden Preisen führen".

Strukturelles Problem: Netzausbau hinkt hinterher

Das Grundproblem bleibt der unzureichende Netzausbau, der mit dem rasanten Ökostromausbau nicht Schritt halten kann. Trotz eines Erneuerbaren-Anteils von 54 Prozent am Stromverbrauch wird die Energiewende so zum finanziellen Milliarden-Grab. Die steigenden Entschädigungssummen zeigen nach Ansicht von Experten dringenden Handlungsbedarf, um die Kostenexplosion zu bremsen und die Effizienz des Gesamtsystems zu verbessern.

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