Fast 600 Chemie-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs: Domo-Insolvenz bedroht Industriestandorte
Im Chemiepark Leuna herrscht düstere Stimmung. Die Insolvenz des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals hat nicht nur die eigenen Beschäftigten, sondern das gesamte industrielle Ökosystem in Alarmbereitschaft versetzt. Rund 100 Unternehmen mit insgesamt 10.000 Mitarbeitern arbeiten hier in enger Verzahnung – fällt ein Glied aus dieser Kette, gerät das gesamte System ins Wanken.
Die Dimension des drohenden Ausfalls
Ende Dezember 2025 hatte der Kunststoff- und Düngemittelproduzent für seine drei deutschen Tochterfirmen Insolvenz angemeldet. Betroffen sind die Domo Chemicals GmbH mit etwa 35 Mitarbeitern, die Domo Caproleuna GmbH mit rund 480 Beschäftigten in Leuna sowie die Domo Engineering Plastics GmbH mit etwa 70 Angestellten in Premnitz, Brandenburg. Insgesamt stehen damit fast 600 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Der Betrieb läuft derzeit nur noch auf Kosten des Landes Sachsen-Anhalt und dient ausschließlich der Gefahrenabwehr. Diese Notmaßnahme endet mit dem März, ebenso wie die Zahlung von Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit für die betroffenen Mitarbeiter.
Investorensuche bleibt erfolglos
Bislang hat sich noch kein Käufer für die Produktionsstandorte in Leuna und Premnitz gefunden. „Der Investorenprozess läuft weiterhin, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther. Eine endgültige Klärung wird erst nach der voraussichtlichen Insolvenzeröffnung Anfang April erwartet.
Die Kosten für den bisherigen Weiterbetrieb sind erheblich: Das Landesverwaltungsamt rechnet mit einem höheren einstelligen bis niedrigeren zweistelligen Millionenbetrag, den der Steuerzahler aufbringen musste.
Technische Herausforderungen beim Herunterfahren
Besonders problematisch ist die Situation in Leuna. Ein sicheres Herunterfahren der chemischen Anlagen war im Winter technisch nicht möglich, ohne erhebliche Risiken zu schaffen. Drohende Druckaufbauten, Leckagen oder Stoffaustritte könnten wassergefährdende oder gesundheitsschädliche Substanzen freisetzen.
Aus diesem Grund ordnete das Land eine „Ersatzvornahme“ an und ließ den Betrieb auf eigene Kosten weiterlaufen. Sollte auch nach der Insolvenzeröffnung kein neuer Eigentümer gefunden werden, müsste wohl erneut der Steuerzahler für das endgültige Abschalten der Anlagen aufkommen.
Letzte Hoffnung für die Standorte
Ein kleiner Lichtblick bleibt: Der Standortbetreiber InfraLeuna und der Mittelständler Leuna Harze haben vor einigen Wochen ein Übernahmeangebot für Domo eingereicht. Ob dieses Angebot Erfolg haben wird, bleibt jedoch ungewiss. Das Umweltministerium hat auf Anfragen zur Zukunft der Werke nach einer möglichen Insolvenzeröffnung bisher keine Antwort gegeben.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein für die fast 600 direkt betroffenen Mitarbeiter und die gesamte Chemieindustrie in der Region. Die enge Verzahnung der Betriebe im Chemiepark macht deutlich: Der Ausfall eines einzelnen Unternehmens kann weitreichende Konsequenzen für das gesamte industrielle Gefüge haben.



