IWF korrigiert globale Wachstumsprognose nach unten
Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einer deutlichen Senkung seiner Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum. Auslöser sind die anhaltenden Folgen des Iran-Krieges, die sich insbesondere durch Lieferunterbrechungen bei Öl und Gas bemerkbar machen. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa kündigte in einem Redemanuskript vor der anstehenden Frühjahrstagung an, dass selbst das optimistischste Szenario eine Wachstumskorrektur nach unten beinhalten werde.
Konkrete Zahlen und Prognosen
Bislang ging der IWF mit Sitz in Washington für das laufende Jahr von einem globalen Wachstum von 3,1 Prozent aus. Für Deutschland wurde ein Zuwachs von 0,9 Prozent erwartet, während die Eurozone insgesamt mit einem Plus von 1,1 Prozent rechnen konnte. Diese Zahlen werden nun nach unten angepasst, wie Georgiewa deutlich machte. Am Dienstag veröffentlicht der IWF offiziell neue Konjunkturprognosen, die die verschlechterte Lage widerspiegeln.
Auswirkungen auf Schifffahrt und Energieversorgung
Die IWF-Chefin verwies auf kritische Engpässe in wichtigen Schifffahrtsrouten. Die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus sei weiterhin ungewiss, nachdem der Iran diese in den vergangenen Wochen blockiert hatte. Diese Meerenge ist von enormer Bedeutung für den globalen Öl- und Gashandel. Zudem liegt der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer nur noch bei der Hälfte des Niveaus von 2023, bedingt durch Angriffe der Huthi-Miliz aus dem Jemen.
Diese Unterbrechungen ließen die Energiepreise weltweit dramatisch steigen und beeinträchtigen auch den Handel mit wichtigen Vorprodukten wie Düngemitteln. Erst kürzlich einigten sich der Iran und die USA auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus, doch die langfristigen Folgen bleiben spürbar.
Inflation und wirtschaftliche Risiken
Georgiewa warnte zudem vor kurzfristigen Inflationsrisiken infolge des Krieges. Die Erwartungen an die Teuerungsrate in den USA und der Eurozone seien bereits deutlich gestiegen. „Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht verändert – das ist sehr gut und sehr wichtig“, betonte die IWF-Chefin. Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die Europäische Zentralbank sieht sie derzeit nicht in Zugzwang, sondern empfiehlt ein abwartendes Beobachten der Lage.
Notfallkredite und Stabilisierungsmaßnahmen
Zur Stabilisierung der Weltwirtschaft sieht Georgiewa einen milliardenschweren Bedarf an Notfallkrediten. Kurzfristig seien zwischen 20 und 50 Milliarden US-Dollar notwendig, wobei die tatsächlich benötigte Summe eher am unteren Ende liege, falls die aktuelle Waffenruhe anhalte. Der IWF könne diesen Bedarf problemlos decken und damit sicherstellen, dass Länder in Notlagen zahlungsfähig bleiben.
Vergleich mit anderen Prognosen
Bereits vergangene Woche hatten führende deutsche Forschungsinstitute ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt 2026 deutlich nach unten korrigiert. Aufgrund der Folgen des Iran-Krieges mit stark gestiegenen Energiepreisen erwarten sie nur noch einen Zuwachs von 0,6 Prozent, nachdem sie vor einem halben Jahr noch 1,3 Prozent prognostiziert hatten. Dies unterstreicht die globale Dimension der wirtschaftlichen Auswirkungen.
Georgiewa fasste zusammen: „Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben.“ Das Wachstum werde langsamer ausfallen, selbst wenn der neue Frieden von Dauer sei. Der IWF und die Weltbank beginnen am kommenden Montag ihre Frühlingstagung, bei der Finanzminister, Vertreter der Finanzwirtschaft und Zentralbanker über diese Herausforderungen beraten werden.



