Die HÖRZU, eine der bekanntesten Programmzeitschriften Deutschlands, feierte in Hamburg ihren 80. Geburtstag. Gegründet wurde sie 1946 von Verleger Axel Springer, als Deutschland noch in Trümmern lag. Die Zeitschrift bot den Lesern damals einen Überblick über die Radioprogramme – sechs Jahre bevor 1952 der erste Fernsehsender seinen Betrieb aufnahm. Seit 2014 gehört die HÖRZU zur Funke Mediengruppe.
Feierlichkeiten im Business Club Hamburg
Gastgeber des Abends waren Jochen Beckmann, Geschäftsführer von Funke Medien National Brands, und Christian Hellmann, Chefredakteur der HÖRZU. Sie begrüßten langjährige Freunde, Partner und Weggefährten der Marke im traditionsreichen Business Club Hamburg. Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, würdigte die Beständigkeit der Zeitschrift: „HÖRZU ist sich selbst immer treu geblieben. Sie liefert verlässliche Einordnungen und Hinweise über die Programmvielfalt kombiniert mit einer unglaublichen Servicekompetenz.“
Becker betonte, dass HÖRZU mehr sei als eine bloße Programmzeitschrift: „Sie hat früh verstanden, dass die Leser die Zeitschrift immer auf ihrem Wohnzimmertisch liegen haben – nicht nur wegen des Programms, sondern wegen der Geschichten und verlässlichen Informationen, die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.“ Ihr Großvater Jakob Funke, der 1948 mit der WAZ seine erste Zeitung gründete, habe stets neidisch auf das Hamburger Abendblatt und die HÖRZU geschaut. „Beide gehören heute zu Funke“, so Becker stolz.
Prominente Stimmen zur HÖRZU
Schauspieler Christian Berkel lobte die Mischung aus Programminformationen und hochwertigen Interviews sowie Porträts. Seine Ehefrau Andrea Sawatzki sprach über ihre Arbeit als Schauspielerin und Autorin: „Ich sage, was ich sagen möchte. Ich habe meine Haltungen, auch zu politischen Themen. Früher hätte ich mir das nicht getraut – das ist der Vorteil am Älterwerden.“
Linda Zervakis, Journalistin und Moderatorin des Abends, erinnerte sich an ihre Jugend, als sie die HÖRZU im Kiosk ihrer Eltern verkaufte: „Die Menschen kamen nicht nur, um eine Programmzeitschrift zu kaufen, sondern diskutierten und planten ihr Wochenende. HÖRZU bedeutet für mich auch ein Stück Geborgenheit.“
Jörg Pilawa erzählte, dass er als Kind mit einem blauen Stift in der HÖRZU markierte, was er sehen wollte. Im Gespräch mit hochrangigen Gästen kritisierte er die öffentlich-rechtlichen Sender scharf: „Sie bekommen jährlich zehn Milliarden Euro – drei Milliarden mehr als das Bundesbauministerium. Trotzdem wird geklagt, das Geld reiche nicht. Es ist genug da, es kommt nur nicht im Programm an.“ Besonders die ARD bremse mit komplizierten Strukturen: „Dann heißt es, wir müssen noch den WDR fragen und den SWR.“
Filmproduzent Nico Hofmann betonte die Qualität der Zeitschrift: „Die HÖRZU war für viele Familien der Grundstock ihrer Fernsehkultur.“ Zugleich äußerte er Sorgen über die aktuelle TV-Landschaft: „Wir leben in einer ängstlichen, renditegetriebenen Zeit. Es gibt immer weniger Menschen mit Leidenschaft. Projekte wie die Geschichte der Kinder von Thomas Mann sind schwer umzusetzen. Stattdessen dominieren massenkompatible ‚Guilty Pleasures‘. In Deutschland fehlt es an Mut.“
Ausblick auf die Zukunft
Julia Becker wünschte der HÖRZU weitere 80 Jahre und viele inspirierende Geschichten. „Geschichten, die bewegen, aufrütteln, begeistern und manchmal mitten ins Herz treffen. Ich werde dafür sorgen, dass die HÖRZU bleibt – als etwas, das den Menschen fehlen würde, wenn es nicht mehr da wäre.“ Die Feierlichkeit zeigte eindrucksvoll, wie tief die Zeitschrift in der deutschen Medienlandschaft verwurzelt ist.



