Oetker Collection: USA rücken in den Fokus der Brüder
Oetker Collection: USA rücken in den Fokus

Oetker Collection: USA rücken in den Fokus der Brüder

Die Firmengruppe von Alfred und Ferdinand Oetker verzeichnet nur ein geringes Wachstum von weniger als einem Prozent, während die größte Sparte sogar noch schwächer abschneidet. Gleichzeitig gewinnen die USA für die Brüder zunehmend an Bedeutung. Dies berichten Anja Müller und Katrin Terpitz.

Ferdinand und Alfred Oetker zeigen sich trotz der Herausforderungen noch zufrieden. Wechselkurse, Zölle und eine allgemeine Nachfrageschwäche belasten das Geschäft der Oetker Collection. Im Geschäftsjahr 2025 konnte die Firmengruppe ihren Umsatz nur um 0,9 Prozent auf 2,573 Milliarden Euro steigern, wie das Unternehmen am Donnerstagvormittag mitteilte.

Die Wachstumsschwäche in Deutschland ist jedoch nicht allein verantwortlich. Die Firmengruppe erwirtschaftet inzwischen 78 Prozent ihres Umsatzes im Ausland – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Die Gruppe ist in 39 Ländern aktiv, wobei das US-Geschäft in fast allen Sparten eine wichtige Rolle spielt.

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Vor einem Jahr hatte Co-Vorstandschef Alfred Oetker im Gespräch mit dem Handelsblatt die Richtung vorgegeben: schneller wachsen als der Markt, internationaler, nachhaltiger und innovativer werden und auch Zukäufe tätigen, vor allem in den USA. Doch offenbar sind die Wachstumsziele schwieriger zu erreichen als gedacht.

Alfred Oetker nennt nun keine konkreten Wachstumsziele mehr, sondern setzt verstärkt auf Resilienz. „Die Diversifikation unserer Unternehmensgruppe und unsere breite internationale Präsenz erweisen sich gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen als stabilisierend“, erklärte er. Sein Bruder Ferdinand Oetker ergänzte: „Angesichts des anspruchsvollen Umfelds sind wir insgesamt mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2025 noch zufrieden.“

Im ersten vollen Geschäftsjahr 2022 konnten die beiden den Umsatz noch um 18 Prozent steigern. 2021 hatten sie die Unternehmensgruppe von Dr. Oetker abgespalten und im vergangenen Jahr in Oetker Collection umbenannt.

Henkell-Freixenet plant weitere Übernahme

Stark gebremst wurde das Gesamtwachstum durch die größte Sparte Henkell-Freixenet, die knapp die Hälfte zum Umsatz der Gruppe beisteuerte. Die Erlöse des Sekt-, Wein- und Spirituosenherstellers wuchsen 2025 nur um 0,5 Prozent auf etwas mehr als 1,25 Milliarden Euro. Unternehmenschef Andreas Brokemper bezeichnete das Jahr als „unglaublich herausfordernd“, das man intensiv managen musste und relativ erfolgreich abschließen konnte.

„Die US-Zölle belasten unser Geschäft in den USA spürbar. Die Mehrkosten konnten wir nur teilweise weitergeben“, sagte Brokemper. Höhere Preise hätten zudem den Absatz geschwächt. Die USA sind für Henkell-Freixenet der zweitwichtigste Markt nach Deutschland. In den Vereinigten Staaten erwirtschafteten die Wiesbadener 2025 mehr als 200 Millionen Euro Umsatz – vornehmlich mit Prosecco aus Italien (Mionetto) und Cava aus Spanien (Freixenet).

Auf dem schwierigen US-Markt fand Henkell-Freixenet einen gewissen Ausgleich: Im Juli übernahmen die Deutschen den weltweiten Vertrieb für den kalifornischen Schaumweinhersteller Korbel. Damit sind sie in den USA nicht mehr rein vom Import und den Zöllen abhängig. 2025 erreichte Henkell einen weiteren Meilenstein: Anfang März wurde der spanische Cava-Hersteller Freixenet komplett übernommen. Über den Kaufpreis wurde mit den Erben Stillschweigen vereinbart. Laut spanischen Medien sollen die Deutschen 2018 rund 220 Millionen Euro für die Hälfte der Freixenet-Anteile gezahlt haben.

Aktuell bahnt sich eine neue prominente Übernahme an: Henkell-Freixenet verhandelt über den Mehrheitseinstieg beim angeschlagenen französischen Champagnerhaus Maison Pommery.

Backzutaten-Sparte wächst dank US-Übernahme

Die Martin-Braun-Gruppe, die vor allem Backzutaten herstellt, erzielte mit 747 Millionen Euro ein Umsatzplus von 4,5 Prozent. Im Februar 2025 hatte die Gruppe das US-Unternehmen Hoff’s Bakery übernommen. Die Spezialchemiesparte Budenheim musste hingegen ein Umsatzminus von 4,6 Prozent auf 412 Millionen Euro melden. Die Absatzmengen seien in nahezu allen Anwendungsfeldern rückläufig. Während in Europa eine schwache Nachfrage die Geschäftsentwicklung belastete, wurde die bessere Nachfrage in Nordamerika durch Wechselkurseffekte und Zollaufwendungen weitgehend aufgezehrt.

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Die Hotelsparte wuchs 2025 um 1,3 Prozent und setzte 141 Millionen Euro um. Im März 2026 eröffnete mit dem Vineta in Palm Beach das erste Hotel der Gruppe in den USA. Die kleinste Sparte, die unter „weitere Interessen“ zusammengefasst ist, steigerte ihren Umsatz um acht Prozent auf 19 Millionen Euro. Dazu trug vor allem die US-amerikanische Immobiliengesellschaft Columbus Properties bei. Zu den weiteren Interessen zählen die Venture- und Growth-Capital-Gesellschaft Oetker Ventures sowie die Kunstsammlung Rudolf-August Oetker.

Zum Gewinn äußern sich die Eigentümer nicht. Auch für das laufende Jahr geht die Oetker Collection angesichts einer schwer einschätzbaren geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung nur von einem moderaten Umsatzanstieg aus.