VW-Betriebsrat pocht auf Anerkennungsprämie nach unerwartetem Milliarden-Zufluss
Angesichts einer überraschend positiven Entwicklung der Finanzlage bei Volkswagen hat der Betriebsrat nun offiziell die Auszahlung einer Anerkennungsprämie für alle Tarifbeschäftigten gefordert. Betriebsratschefin Daniela Cavallo begründete diese Forderung mit der jüngsten Korrektur des Kapitalflusses, die dem Konzern plötzlich sechs Milliarden Euro zusätzlich in die Kasse spülte.
Verhandlungen mit dem Vorstand stehen bevor
In einer Sonderausgabe der Betriebsratszeitung Mitbestimmen erklärte Cavallo: „Wenn jetzt alle gemeinsam in Sachen Kostendisziplin derart gut abgeliefert haben, ist eine Anerkennungsprämie nur fair.“ Diese Prämie solle für alle Haustarifbeschäftigten gelten, einschließlich der Mitarbeiter in Sachsen. Die konkrete Höhe der möglichen Zahlung ließ die Betriebsratschefin zunächst offen, betonte jedoch, dass nun Verhandlungen mit dem Vorstand notwendig seien.
Mögliche Auszahlung bereits im Mai
Nach Vorstellungen des Gesamtbetriebsrates könnte die Prämie bereits im Mai fließen. Dieser Monat ist bei Volkswagen traditionell mit der Auszahlung des flexiblen Tarifbonus verbunden, der jedoch in diesem Jahr als Teil eines Sparpakets entfällt. Dieses Sparpaket war im vergangenen Jahr nach zähen Tarifverhandlungen zwischen IG Metall und dem Konzern vereinbart worden. Erst ab 2028 soll der flexible Bonus schrittweise zurückkehren. Unangetastet blieb hingegen die Vorauszahlung von knapp 1900 Euro im November.
Überraschende Korrektur des Kapitalflusses
Volkswagen hatte am 21. Januar überraschend mitgeteilt, dass der sogenannte Cashflow für das Jahr 2025 deutlich besser ausgefallen war als ursprünglich prognostiziert. Statt der erwarteten null Euro belief sich der Kapitalfluss nun auf sechs Milliarden Euro. Finanzvorstand Arno Antlitz führte dieses Ergebnis auf intensive Kostenarbeit in den Bereichen Vorleistungen, Entwicklung, Investitionen und Lagerbestandsmanagement zurück.
Der Cashflow bezeichnet vereinfacht das Geld, das tatsächlich in der Unternehmenskasse verbleibt, und steht nicht direkt mit Umsatz oder Gewinn in Verbindung. Beeinflusst werden kann diese Kennzahl beispielsweise durch die Verschiebung von Zahlungen oder das Vorziehen von Einnahmen.
Nächste Schritte und betroffene Belegschaft
Ein erster Wasserstand in den Verhandlungen könnte auf der nächsten Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg am 4. März erreicht werden. Volkswagen beschäftigt in seinen Werken in Niedersachsen, Hessen und Sachsen mehr als 120.000 Mitarbeiter, die von der möglichen Prämie profitieren könnten. Ob und in welcher Höhe die Forderung des Betriebsrates umgesetzt wird, bleibt jedoch abhängig von den anstehenden Gesprächen mit der Konzernführung.



