Produktionsstart in Spanien: VW setzt auf günstige E-Autos aus Südeuropa
Der Volkswagen-Konzern hat diese Woche in Spanien die Produktion von zwei neuen Elektro-Kleinwagen gestartet. Im Seat-Werk in Martorell laufen der ID. Polo und das Schwestermodell Cupra Raval vom Band. Weitere Modelle von VW und Skoda sollen im nordspanischen Pamplona folgen. Der Einstiegspreis für den günstigsten ID. Polo liegt bei knapp unter 25.000 Euro, der Cupra Raval kostet 100 Euro mehr und kommt kurz vorher auf den Markt.
Konzernchef Oliver Blume zeigte sich optimistisch: „Mit dieser neuen Fahrzeugfamilie greifen wir an in einer der volumenstärksten Fahrzeugklassen der Elektro-Mobilität, mit großem Wachstumspotenzial.“ Der Markt für vollelektrische Kleinwagen in Europa werde nach 2030 rund viermal so groß sein wie heute. VW wolle jährlich mehrere hunderttausend Fahrzeuge dieser Modellreihe verkaufen.
E-Mobilität als Massenphänomen
VW-Markenchef Thomas Schäfer betonte: „Mit diesem Auto unterstreichen wir, dass elektrische Einstiegsmobilität keine Kompromisse braucht. Elektromobilität darf kein Luxus sein. Sie muss funktionieren, bezahlbar sein und im Alltag überzeugen.“ Allerdings ist der Einstiegspreis von knapp 25.000 Euro nicht mehr so ambitioniert wie bei der Vorstellung der Studie 2023. Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin meint: „Das ist heutzutage kein Einstiegsmodell mehr. Dafür sind 25.000 Euro schlicht zu teuer.“ Die Rolle des echten Einstiegsmodells werde wohl der noch günstigere ID. Every1 übernehmen, der 2027 für rund 20.000 Euro aus Portugal kommen soll.
Zudem sind die 25.000 Euro nicht sofort verfügbar. Zum Start gibt es beide Modelle nur besser ausgestattet und mit großer Batterie für deutlich über 30.000 Euro. Erst ab Juli sollen die günstigen Einstiegsversionen mit kleinem Akku bestellbar sein, ausgeliefert wird der ID. Polo ab September.
Wettbewerb und Marktchancen
Andere Hersteller sind schneller: Renault bietet den Elektro-Twingo für rund 20.000 Euro, Dacia Spring und Leapmotor T03 sind noch günstiger, und der Citroën C3 liegt dank Aktionsprämie bei knapp über 17.000 Euro. VW komme etwas spät, aber nicht zu spät, sagt Schwope. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach glaubt, dass VW dank hoher Spritpreise und neuer E-Auto-Förderung in Deutschland genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. „25.000 Euro ist als Startpreis jetzt nicht so schlecht. Ich glaube, dass das schon einen breiten Markt trifft.“
Investitionen und Standortwahl
Rund 10 Milliarden Euro hat VW zusammen mit Zulieferern in den Umbau in Spanien investiert. Allein drei Milliarden Euro flossen seit 2023 in die Umrüstung in Martorell. Bis zu 300.000 E-Autos pro Jahr sollen hier gebaut werden. Hinzu kommt eine Batteriezellfabrik in Sagunto bei Valencia und der Umbau des VW-Werks Pamplona. Dass die Produktion in Spanien stattfindet, liegt an den Kosten. „In Deutschland lässt sich so ein Modell nicht mehr bauen“, sagt Bratzel. Spanien lockt mit günstigem Solarstrom, niedrigen Lohnkosten und fast 400 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln.
VW setzt auf 80 Prozent Gleichteile in den vier Modellen, um Kosten zu senken. Die Entwicklung wurde bei Cupra gebündelt, was 600 Millionen Euro einsparte. Die deutschen Werke profitieren kaum: Nur das Batteriewerk in Salzgitter liefert Akkus nach Spanien. Künftig sollen aus Deutschland nur noch die teureren Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen kommen, die günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Akkus aus Valencia.
Betriebsrat sieht Vorteile
Betriebsratschefin Daniela Cavallo zeigt sich gelassen. VW baue seine Einstiegsverbrenner schon lange nicht mehr in Deutschland. Der Polo lief bisher als Verbrenner in Spanien, seit 2024 in Südafrika. „Klar ist: In Deutschland produzieren wir eher komplexere Modelle mit höheren Margen als bei kleinen Fahrzeugen“, sagt Cavallo. Dennoch profitierten die deutschen Standorte von günstigen Modellen aus dem Süden, da sie Kunden an die Marke heranführen. Später könnten diese auf größere Modelle aus deutscher Fertigung umsteigen.



