Archäologen haben das jahrzehntealte Rätsel um ein Schiffswrack vor der englischen Küste gelöst, das mit goldenen Münzen beladen war. Bei dem Wrack handelt es sich um die „Dom van Keulen“, ein niederländisches Handelsschiff, das im Herbst 1633 vor der Südküste Englands sank. Das gab die Funke Mediengruppe am 1. Juli 2026 bekannt.
Goldmünzen und Handelsgüter entdeckt
Bereits 1995 entdeckten Taucher nahe der Küstenstadt Salcombe in der Grafschaft Devon ein Schiffswrack auf dem Meeresboden. Zu den spektakulärsten Funden zählten mehr als 400 Goldmünzen, die aus dem Wrack geborgen werden konnten. In den folgenden drei Jahrzehnten versuchten Experten, die Identität des Schiffes zweifelsfrei zu klären. Nun gelang Forschern im Rahmen einer Studie, deren Ergebnisse in dem Buch „From Morocco to the Coast of England: The Story of the Dom van Keulen and its Remarkable Cargo“ veröffentlicht wurden, die Lösung des Rätsels.
Grundlage der Identifizierung waren historische Dokumente aus dem britischen Nationalarchiv, die der Historiker Ian Friel ausgewertet hat, wie „Archaeologymag“ berichtet. Den Aufzeichnungen zufolge geriet die „Dom van Keulen“ während ihrer Reise nach Norden in schwere Stürme. Dabei entstand ein Leck, das schließlich zum Untergang des Schiffes vor der englischen Küste führte. Historische Berichte belegen, dass die Besatzung das Unglück überlebte und ein Großteil der Ladung kurz nach dem Sinken geborgen werden konnte. Ein Teil der Goldmünzen blieb jedoch seit dem Herbst 1633 auf dem Meeresboden zurück.
Einblick in den Handel zwischen Nordafrika und Nordeuropa
Das Wrack liefert Archäologen seltene Einblicke in die Handelsbeziehungen zwischen Nordafrika und Europa im 17. Jahrhundert. Besonders die Zusammensetzung der Ladung eröffnet neue Perspektiven auf die wirtschaftlichen Verflechtungen jener Zeit. Die „Dom van Keulen“ transportierte unter anderem 150 Säcke Gummi arabicum, 64 Säcke Salpeter, 320 Ziegenhäute sowie rund 9000 Barbaren Dukaten, in Marokko geprägte Goldmünzen.
Die Münzen stammen aus dem Handelsnetzwerk entlang der marokkanischen Atlantikküste. Das aus Westafrika stammende Gold spielte eine wichtige Rolle für die niederländische Wirtschaft, da es die Münzprägeanstalten mit wertvollem Rohmaterial versorgte. Zu den geborgenen Fundstücken gehören außerdem Schmuck, Keramik, eine Zinnschale, ein Zinnlöffel, ein Stempelsiegel, ein fischförmiges Lotgewicht sowie ein Goldbarren. Ein großer Teil dieser Artefakte befindet sich heute in den Sammlungen des British Museum.
Schutz der Fundstelle vor Plünderungen
Über das genaue Aussehen des Schiffes ist hingegen nur wenig bekannt. Zeitgenössische Darstellungen der „Dom van Keulen“ sind bislang nicht überliefert, sodass eine verlässliche Rekonstruktion kaum möglich ist. Die Wrackstelle erstreckt sich über eine Fläche von etwa 30 Metern Breite in rund 18 Metern Wassertiefe. Dort liegen noch immer Kanonen, Anker und Teile der Ladung auf dem Meeresboden. Um die bedeutende Fundstelle zu schützen und Plünderungen zu verhindern, wird sie von den zuständigen Behörden und Denkmalschutzorganisationen überwacht.
Die Entdeckung der „Dom van Keulen“ und ihrer wertvollen Fracht bietet einen seltenen Einblick in die Handelsrouten des 17. Jahrhunderts und die wirtschaftliche Bedeutung des Goldhandels zwischen Afrika und Europa. Die Forscher hoffen, durch weitere Untersuchungen noch mehr über die Geschichte des Schiffs und seiner Ladung zu erfahren.



