Neue Allianz für Kampfjet-Entwicklung
Die deutsche Rüstungsindustrie hat nach dem Aus des deutsch-französischen FCAS-Projekts eine Allianz gegründet, um einen eigenen Kampfjet der sechsten Generation zu entwickeln. Unter der Führung von Airbus Defence and Space, der Rüstungssparte des Flugzeugbauers Airbus, haben sich mehrere Unternehmen zusammengeschlossen, um das entstandene Vakuum zu nutzen.
Die Gruppe mit dem Namen „Team Gen 6“ hat Anfang der Woche in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz ihre Absicht erklärt, gemeinsam einen Kampfjet der sechsten Generation zu entwickeln. Neben Airbus Defence and Space gehören der Allianz die Unternehmen MBDA, Hensoldt, Diehl Defence, Liebherr, MTU Aero Engines, Rohde & Schwarz und Autopflug an. Als treibende Kraft hinter der Initiative gilt Michael Schöllhorn, der deutsche Chef von Airbus Defence and Space.
Hintergrund des FCAS-Scheiterns
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in den vergangenen Tagen informiert, die gemeinsame Entwicklung eines Kampfjets aufgeben zu wollen. Die Bundesregierung sieht die Schuld an dem Scheitern bei dem französischen FCAS-Partner Dassault, der die alleinige Hoheit über die Entwicklung des Jets und das geistige Eigentum daran für sich beansprucht habe. FCAS steht für „Luftkampfsystem der Zukunft“ und beschreibt eine Kombination aus einem Kampfjet der sechsten Generation, unbemannten Flugkörpern verschiedener Art und Größe sowie einem Missionssystem, das den Verbund steuert.
Pläne noch in der Anfangsphase
Nach Informationen des SPIEGEL sind die Pläne noch nicht weit gediehen. Es sei zunächst darum gegangen, „ein Signal an die Bundesregierung zu senden“. Bei der am Mittwoch im Beisein von Kanzler Merz beginnenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) soll die Allianz öffentlich gemacht werden. Offenbar gehen die Überlegungen in die Richtung, einen im Vergleich zu dem im FCAS-Rahmen angedachten Konzept abgespeckten, weniger komplexen Kampfjet zu bauen. Die Kriegsführung entwickle sich dahin, dass unbemannte Flugkörper aller Art an Bedeutung gewinnen. „Wir wollen keine deutsche Kopie von FCAS entwickeln“, heißt es aus der Allianz.
Mögliche Partner und Alternativen
Neben den sechs deutschen Unternehmen soll offenbar der schwedische Rüstungskonzern Saab für eine Zusammenarbeit gewonnen werden. Während Airbus Kampfjets wie den Tornado und den Eurofighter stets in Kooperation mit Partnern entwickelt hat, haben die Schweden mit dem „Gripen“ bereits eigenständig einen Kampfjet an den Start gebracht. Allerdings gilt der Gripen in der jetzigen Form nicht als geeignete Vorlage für einen Kampfjet der sechsten Generation. Eine Zusammenarbeit mit dem britisch-italienisch-japanischen Kampfjet-Konsortium GCAP lehnen die neuen Partner offenbar ab, dessen Konzept passe nicht zu den deutschen Anforderungen.
IG Metall unterstützt nationale Lösung
Auch die IG Metall macht sich unterdessen stark für die Entwicklung eines deutschen Jets der sechsten Generation. „Die Lösung ist nicht, dass wir nachträglich bei GCAP einsteigen“, sagte IG-Metall-Vorstand Jürgen Kerner dem SPIEGEL. Bei GCAP seien die Arbeitspakete verteilt. „Der Weg wäre, dass Airbus Defence and Space allein mit verschiedenen Partnern“ auf Basis des Eurofighters ein Flugzeug der sechsten Generation entwickelt. „Fähigkeiten, die fehlen, müssen mit Partnern entwickelt werden“, sagte Kerner. So wie Airbus bereits jetzt auch mit Saab zusammenarbeite. „Für neue Konsortien fehlt die Zeit, alleine die Verhandlungen der Länder würden Jahre dauern.“
Die IG Metall begrüßt den Plan der Allianz und sieht darin eine Chance, Arbeitsplätze und technologische Souveränität in Deutschland zu sichern. Die Entwicklung eines eigenen Kampfjets könnte zudem die Abhängigkeit von ausländischen Partnern verringern.



