Darts im Wandel: Von der Kneipe zum Fitnessstudio
Darts im Wandel: Von der Kneipe zum Fitnessstudio

In den 1990er-Jahren war Alkohol im Dartsport noch allgegenwärtig – nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern selbst. Der frühere Weltmeister Dennis Priestley berichtete einst, dass Akteure „flaschenweise“ Jack Daniels konsumierten und er selbst mit vier Bier im Blut den WM-Titel gewann. Der in Großbritannien verwurzelte Sport stammt aus der Kneipe, und lange Zeit war dies den Athleten auch anzusehen.

Alkohol als Nervenberuhiger

Priestley, heute 75 Jahre alt, lieferte gleich die Erklärung für den hohen Konsum: „Es beruhigt einfach die Nerven. Man muss genau wissen, wie viel man braucht, um die Nerven zu behalten.“ Alkohol diente quasi als Doping, um unter Druck eine ruhige Hand zu bewahren. Der Brite geht davon aus, dass auch heute noch viele Profis zur Flasche greifen – allerdings hinter der Bühne und nicht mehr so offen wie früher.

Die aktiven Spieler bestreiten dies vehement. Auch der Verband PDC sieht keinen Grund zur Besorgnis. Geschäftsführer Matthew Porter erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Bei uns ist es nicht so, dass wir das Gefühl haben, das kontrollieren zu müssen. Einfach, weil es nichts ist, was außer Kontrolle geraten ist.“ Diese Aussage gilt weiterhin.

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Ein kurioser Vergleich

Porter zog zudem einen ungewöhnlichen Vergleich: „Wenn ich Harry Kane wäre und für Bayern spielen würde, könnte ich zwei Bier trinken und dann in der Allianz Arena auflaufen. Nichts in den Regeln hält ihn davon ab.“ Dies verdeutlicht, dass der Dartsport Alkoholkonsum nicht strenger regelt als andere Sportarten.

Wandel auf der Bühne: Sport und Show

Das Bild des Dartsports hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Die Profis betreten heute in modernen, ausverkauften Arenen zu lauter Einlaufmusik riesige Bühnen. Die Darbietungen sind eine Mischung aus Sport und Show. Die Stars von heute sind nicht mehr überwiegend zwischen 40 und 60 Jahre alt und tragen keine Bierbäuche mehr vor sich her. Viele sind jung und austrainiert.

Ist Fitness die neue zentrale Komponente im Dartsport? Der 24-jährige Vize-Weltmeister Gian van Veen, selbst ein Vertreter der neuen Generation, hält einen gesunden Lebensstil und ausreichend Training abseits der Dartscheibe für elementar. Auch Englands Luke Humphries steht symbolisch für diesen neuen Typus.

Humphries' Gewichtsverlust

Humphries nahm über 30 Kilogramm ab, bevor er in die absolute Weltspitze vorstieß und 2024 erstmals den WM-Titel gewann. „Es war eine bewusste Entscheidung, weil mich mein Übergewicht an den langen Dartstagen beeinträchtigt hat“, sagte Humphries der „Bild“. Er ist nicht der Einzige: Der walisische Muskelprotz Gerwyn Price macht Krafttraining, viele Profis joggen, und der Schotte Alan Soutar ist sogar einen Marathon gelaufen. Die körperliche Komponente spielt auf den Bühnen eine immer größere Rolle.

„Mich hat es damals müde und kaputt gemacht. Aber bei manchen anderen Spielern ist das eigentlich egal“, sagte Humphries zum Faktor Gewicht. Der Dartsport bleibt jedoch in Bezug auf Diversität unangefochten: Frauen treten bei der WM im Londoner Alexandra Palace selbstverständlich gegen Männer an, und top austrainierte Sportler treffen auf kräftige Athleten, die in anderen Sportarten wohl nicht zur Weltspitze zählen würden.

Gründe für den Wandel

Der allgemeine Trend zeigt: Die Bedeutung von Fitness nimmt zu. Die Taktung der großen Turniere ist heute viel dichter als in den 1990er-Jahren, als der Sport noch in den Kinderschuhen steckte. Zudem gibt es mehr Reisen – die Stars treten inzwischen auch in Amerika, Australien und Asien auf. Auch die Konkurrenzsituation hat sich drastisch verändert.

Zwar gibt es mit Englands Luke Littler (19) ein Ausnahmetalent wie damals Phil Taylor, doch dass dieser wie „The Power“ Taylor 16 WM-Titel erringen wird, ist angesichts der immer höheren Leistungsdichte kaum zu erwarten. Immer mehr Weltklassespieler sehen aus wie van Veen, Humphries oder Price.

Price' Reaktion auf Spott

Als Price im Dezember 2025 einige Kilogramm abnahm und von Vincent van der Voort, einem Kollegen der älteren Schule, Spott erntete („wie ein Kind in seinem Hemd“), schrieb Price nur: „Besorgt wegen meines Gewichtsverlusts? Keine Sorge, ich fühle mich besser und sehe besser aus als je zuvor.“

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Dieser Wandel zeigt: Der Dartsport hat sich von einer Kneipenkultur zu einer ernstzunehmenden Sportart entwickelt, in der Fitness und Lebensstil eine immer wichtigere Rolle spielen.