Neubrandenburger Unternehmen kämpfen mit US-Strafzöllen: Exporte in die USA werden deutlich teurer
Neubrandenburger Firmen kämpfen mit US-Strafzöllen

Neubrandenburger Unternehmen im Strudel der US-Strafzölle

Das renommierte Etikett „Made in Germany“ könnte bald seltener auf amerikanischen Importlisten erscheinen. Bereits seit dem 3. Mai gelten für in die USA exportierte Autoteile wie Motoren, Getriebe, Bremsen und elektronische Komponenten massive Aufschläge von 25 Prozent. Diese von US-Präsident Donald Trump initiierten Strafzölle sorgen nicht nur für Unruhe auf den globalen Märkten, sondern bereiten insbesondere großen Unternehmen in der Region Neubrandenburg erhebliche Kopfschmerzen.

Automobilzulieferer Webasto mit starkem US-Fokus

Der Automobilzulieferer Webasto hat seit langem einen starken Fokus auf den nordamerikanischen Markt. Das Unternehmen erwirtschaftet dort laut eigenen Angaben etwa ein Viertel seines Gesamtumsatzes, vor allem mit innovativen Dachsystemen und Thermomanagement-Lösungen. Auch im Neubrandenburger Webasto-Werk, gelegen in den Hallen nahe dem Pferdemarkt, entstehen Standheizungen und Hochvoltheizer für Elektrofahrzeuge – viele davon bestimmt für den Export in die Vereinigten Staaten.

„Wir prüfen derzeit intensiv, welche konkreten Auswirkungen die jüngsten Entwicklungen bezüglich der US-Zölle auf europäische Automobilprodukte für Webasto haben“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Zwar arbeite man weltweit zu einem hohen Anteil mit lokalen Lieferanten zusammen und sei daher in der Vergangenheit weniger stark von Handelshemmnissen betroffen gewesen. Doch wenn Webasto-Kunden, also die großen Automobilhersteller, entsprechende Konsequenzen ziehen, hat das unweigerlich auch spürbare Auswirkungen auf den Zulieferer.

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Industrie- und Handelskammer beobachtet Lage genau

Auch bei den regionalen Industrie- und Handelskammern verfolgt man die Entwicklungen mit großer Sorge. „Im Raum Neubrandenburg sind uns derzeit etwas mehr als zehn Unternehmen bekannt, die ihre Waren regelmäßig in die Vereinigten Staaten exportieren“, teilt die IHK Neubrandenburg mit. Inwieweit diese Betriebe konkret von den Strafzöllen betroffen sind, lasse sich derzeit jedoch noch nicht abschließend beurteilen.

Ein akutes Problem stellt laut IHK derzeit die Importabfertigung in den USA dar. Dies betrifft insbesondere deutsche Unternehmen, die mit ihren amerikanischen Abnehmern vereinbart haben, die Einfuhr der Ware vollständig abzuwickeln. Die Durchführung aller Zollformalitäten sowie die Entrichtung sämtlicher in den USA anfallenden Abgaben und Steuern könne in der aktuellen Situation „zu erheblichen administrativen und finanziellen Belastungen“ führen.

Strafzölle mit weitreichenden Folgen

Die von Präsident Trump verhängten Zölle sehen 25 Prozent Aufschlag auf Autos und Autoteile vor. Seit dem 3. Mai sind diese Maßnahmen in Kraft getreten. Es gibt jedoch gewisse Erleichterungen für Hersteller, die ihre Fahrzeuge in den USA endmontieren. Sie können sich einen Teil der Zölle rückerstatten lassen. Zudem sollen für Autoteile generell nicht die zusätzlichen Zölle auf Aluminium und Stahl fällig werden, um eine Doppelbelastung zu vermeiden. Trump reagierte damit auf Beschwerden aus der Branche.

Bereits vor Wochen hatte der US-Präsident Zölle von 25 Prozent auf importierte Autos und Bauteile angekündigt. Die Abgabe für fertige Autos trat Anfang April in Kraft, die für Teile folgt nun. Aus der Industrie gab es bereits zahlreiche Warnungen vor drastischen negativen Folgen und unvermeidlichen Preiserhöhungen.

Sonderfahrzeug-Hersteller Fahrtec fürchtet Kettenreaktion

Ein weiteres Hindernis könnte sich durch aktuelle und künftige Strafzölle beim Neubrandenburger Sonderfahrzeug-Hersteller Fahrtec ergeben. Die dort produzierten Rettungswagen werden zwar generell nicht ins Ausland exportiert. „Aber Handel hat immer zwei Seiten“, betont die Fahrtec-Firmenführung: „Wenn die Europäische Union auf Trumps Zölle mit eigenen Strafzöllen reagiert, bekommen wir ein ernsthaftes Problem. Nämlich dann, wenn Produkte und Komponenten, die wir aus Amerika beziehen, plötzlich deutlich teurer werden.“

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Zwar könne man bei Fahrtec vorübergehend von Lagerbeständen leben, also bereits verzollten Waren, die schon im EU-Raum lagern. „Aber wenn Komponenten für Rettungsfahrzeuge sehr viel teurer werden, können wir irgendwann unsere eigenen Preise nicht mehr halten und müssen sie an die Kunden weitergeben“, so die Unternehmensführung. Dies funktioniere jedoch nur bei neuen Verträgen. Bei bereits abgeschlossenen Aufträgen müsste das Unternehmen die Preisdifferenz selbst tragen, was die Gewinnmargen erheblich schmälern würde.

Weitere betroffene Unternehmen in der Region

Zu den weiteren größeren Unternehmen mit Standort in Neubrandenburg, die ihre Produkte in die USA exportieren, zählen der Automobilzulieferer Spheros und der Schneidemaschinenhersteller Weber Food Technology. Beide Firmen unterhalten Niederlassungen in den Vereinigten Staaten. Laut Firmenangaben wird die Hälfte der Weber-Maschinen in Deutschland und den USA ausgeliefert, die andere Hälfte geht in die ganze Welt. Zu den konkreten Folgen der Strafzölle haben beide Unternehmen auf Anfragen bisher nicht Stellung bezogen.

Unterschiedliche Auswirkungen in der gesamten Seenplatte

In der gesamten Mecklenburgischen Seenplatte sind Unternehmen auf ganz unterschiedliche Weise von der US-Zollpolitik betroffen. Der Warener Nudelproduzent Möwe Teigwaren muss seine Produkte beispielsweise günstiger anbieten, weil zunehmend italienische und türkische Anbieter, die zuvor in die USA exportiert haben, nun verstärkt auf den deutschen Markt drängen. Das freut zwar die Kunden, schmälert aber deutlich den Umsatz des regionalen Herstellers.

Im CD- und Schallplattenwerk Optimal Media in Röbel hingegen registriert man bereits jetzt verstärkte Lieferverzögerungen in die USA – und das selbst bei zollfreien Waren wie CDs oder Schallplatten. Die neuen Handelsbarrieren und bürokratischen Hürden wirken sich somit auch auf Branchen aus, die formal nicht direkt von den Strafzöllen betroffen sind, aber unter den allgemeinen Verzögerungen im transatlantischen Handel leiden.

Die Situation bleibt für die exportorientierten Unternehmen in Neubrandenburg und der gesamten Region angespannt. Während einige Betriebe versuchen, durch lokale Lieferketten und Lagerbestände die unmittelbaren Auswirkungen abzufedern, fürchten andere bereits eine Kettenreaktion, die letztlich zu höheren Preisen für Endverbraucher führen könnte. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie nachhaltig die US-Strafzölle die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern beeinträchtigen werden.