Kommentar: Schöne neue KI-Arbeitswelt – kein Platz mehr für Berufseinsteiger
Vom Fachkräftemangel ist seit Jahren die Rede – doch die Künstliche Intelligenz verändert die Lage. Eine ganze Generation muss jetzt um ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt bangen.
Seit ich mich erinnern kann, wird in Deutschland vom Fachkräftemangel gesprochen. Meiner Generation wurde vermittelt: Wer eine gute Ausbildung macht, wird problemlos einen Platz auf dem Arbeitsmarkt finden. Nachdem schon unsere frühen 20er-Jahre durch die Coronapandemie überschattet waren, sollte wenigstens der Berufseinstieg gelingen. So jedenfalls die Hoffnung.
Bekanntermaßen gilt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich muss bei diesem Sprichwort immer weiterdenken: Und doch stirbt sie. Denn mit dem KI-Boom verändert sich diese Erzählung: Trotz anhaltendem Fachkräftemangel scheint der Zugang zum Arbeitsmarkt in manchen Bereichen schwieriger zu werden.
Die Zahlen sprechen gegen die Jugend
Eine Studie der Universität Stanford, die Millionen Beschäftigungs- und Gehaltsdaten auswertete, zeigt: In sogenannten „KI-exponierten Berufen“ ist die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen seit Ende 2022 um rund 13 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig bleiben die Zahlen älterer Beschäftigter stabil oder steigen sogar. Die Forscher erklären das damit, dass erlerntes Wissen leichter durch KI ersetzt werden kann als langjährige Erfahrung.
Auch Unternehmen erwarten tiefgreifende Veränderungen. Laut einer weltweiten Umfrage des Oliver Wyman Forums planen 43 Prozent der befragten CEOs, in den kommenden ein bis zwei Jahren Juniorpositionen abzubauen. Eine weitere Umfrage der Unternehmensberatung Mercer unter fast 1000 Führungskräften zeigt zudem, dass nahezu alle davon ausgehen, Stellen künftig durch KI ersetzen zu können.
Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die wachsende Kluft zwischen Berufserfahrenen und Einsteigern. Während erfahrene Fachkräfte von ihrer Expertise profitieren, müssen junge Talente um ihren Platz bangen. Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt auch im Zeitalter der KI ermöglichen. Dazu gehören Investitionen in Bildung, Umschulungsprogramme und eine Anpassung der Arbeitsmarktregulierung. Nur so kann verhindert werden, dass eine ganze Generation abgehängt wird.



