Können KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini Kindern soziale Werte wie Mitgefühl, Respekt und Fairness beibringen? Laut einer neuen Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK glauben viele Eltern, dass künstliche Intelligenz in dieser Hinsicht sogar menschliche Vorbilder übertreffen kann. Die Studie „KI-Nutzung im privaten Alltag 2026“ befragte bundesweit 3485 Erwachsene online repräsentativ, darunter 2005 Eltern mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren.
Ergebnisse der Umfrage
41 Prozent der Eltern stimmten der Aussage „Moral und soziale Werte wie Respekt, Fairness oder Empathie können den Kindern in vielen Fällen besser durch eine KI als durch Eltern oder Freunde vermittelt werden“ voll und ganz oder eher zu. Im Vergleich dazu fanden nur 27 Prozent der Befragten ohne minderjährige Kinder im Haushalt diese These zutreffend. Die Familienpsychologin Nina Grimm von der Pronova BKK kommentierte: „Die Einschätzung, Werte könnten durch KI vermittelt werden, sagt weniger etwas über die tatsächlichen Fähigkeiten der Technologie aus, sondern vielmehr über das Selbstbild und die Verunsicherung vieler Eltern in ihrer Rolle.“
Verunsicherung der Eltern
Laut Grimm übertragen überforderte oder zu selbstkritische Eltern Verantwortung auf die KI. „Viele Eltern sind nicht mehr selbstsicher und souverän, sondern unsicher, zweifelnd und überlastet.“ Sie betonte, dass wirkliche soziale Kompetenzen nur im menschlichen Miteinander erlernt werden können, einschließlich Konflikten. „Eltern sind emotional und nicht fehlerfrei – und genau hierin liegt Lern- und Wachstumspotenzial für alle Beteiligten.“ Programme wie ChatGPT könnten Moral oder soziale Fähigkeiten erklären, aber nicht vorleben oder empfinden.
Nutzung von KI im Erziehungsalltag
Die Umfrage zeigt auch, dass KI häufig im Erziehungsalltag eingesetzt wird: 58 Prozent der Eltern haben bereits konkrete Erziehungsfragen an eine KI gestellt, besonders häufig Eltern mit Kindern unter sechs Jahren. Dabei überprüfen nur 36 Prozent der Eltern die KI-generierten Antworten immer. „Ausgerechnet diejenigen, die in ihrem Alltag viel mit Kindern zu tun haben, erwarten moralische Erziehungsarbeit von der Technologie“, bilanziert die Analyse. Zudem nutzen 57 Prozent der Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren KI privat und für die Schule. Fast ebenso viele Eltern halten KI-Chatbots für eine enorme Erleichterung im privaten Alltag der Kinder.
Sorgen der Eltern
Trotz der positiven Einstellung gegenüber KI als Wertevermittler haben Eltern auch Bedenken: Knapp drei Viertel der Befragten sehen eine große Gefahr darin, dass Kinder eher die KI um Hilfe fragen und ihr glauben, als ihre Eltern um Rat zu fragen. Die Studie unterstreicht damit die ambivalente Haltung vieler Eltern gegenüber der zunehmenden Rolle von KI in der Erziehung.



