Pleite-Höhepunkt noch nicht erreicht: So viele Insolvenzen wie seit 2013 nicht mehr
Insolvenzen auf Höchststand seit 2013

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2025 den höchsten Stand seit 2013 erreicht. Laut einer Studie des Verbands der Vereine Creditreform stieg die Anzahl der Firmenpleiten auf 12.900 – ein Anstieg von 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch Privatinsolvenzen legten um 2,3 Prozent auf 38.800 Fälle zu.

Strukturelle Krise und geopolitische Belastungen

Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, erklärte: „Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch einmal verschärft wurde.“ Der erhoffte Konjunkturaufschwung sei aufgrund der monatelangen Blockade der Straße von Hormus ausgeblieben.

Creditreform erwartet, dass der Höhepunkt der Pleiten noch nicht erreicht ist. „Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027“, so Hantzsch.

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Hohe Schadenssumme und betroffene Arbeitsplätze

Die Schadenssumme infolge der Unternehmensinsolvenzen belief sich im ersten Halbjahr auf rund 28,5 Milliarden Euro. Rund 165.000 Arbeitsplätze waren betroffen. Insolvenzgläubiger wie Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungsträger mussten „überdurchschnittlich hohe Ausfälle“ hinnehmen.

Besonders stark betroffen waren junge Unternehmen. Bei Firmen mit einem Alter von bis zu zwei Jahren stieg die Insolvenzzahl um 25,3 Prozent. Auch bei Unternehmen im Alter von drei bis vier Jahren gab es einen zweistelligen Anstieg von 11,1 Prozent.

Dienstleistungsbranche unter Druck

Hantzsch führte den Anstieg bei jungen Unternehmen auf die schwierige Lage am Arbeitsmarkt zurück: „Viele Menschen suchen ihr Heil in der Selbstständigkeit, weil die Spannungen am Arbeitsmarkt signifikant zunehmen. Mehr Gründungen heißt aber auch, dass mehr scheitern. Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen.“

Die Dienstleistungsbranche stand besonders unter Druck. Fast 7.900 Insolvenzen entfielen auf diesen Sektor, was einem Anteil von 61,2 Prozent am gesamten Insolvenzgeschehen entspricht. Hantzsch erläuterte: „Im Dienstleistungssektor sind viele Betriebe klein, verfügen nur über begrenzte finanzielle Reserven und hängen oft von wenigen Auftraggebern ab. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz deren Geschäftsmodell.“ Wer sich nicht schnell genug anpasse, gerate ins Hintertreffen.

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