Arbeitsmarkt im Wandel: Ausländer stützen Beschäftigung während Babyboomer in Rente gehen
Ausländer stützen Arbeitsmarkt, Babyboomer gehen in Rente

Arbeitsmarkt im Wandel: Ausländer stützen Beschäftigung während Babyboomer in Rente gehen

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation. Im Februar zeigte sich erneut, dass die Zahl der Arbeitslosen mit 3,07 Millionen oberhalb der Marke von drei Millionen verharrt, obwohl ein leichter Rückgang von 15.000 im Vergleich zum Vormonat zu verzeichnen war. Die Arbeitslosenquote sank minimal auf 6,5 Prozent, bleibt aber im Jahresvergleich um 0,1 Punkte höher.

Demografischer Wandel: Babyboomer gehen in Rente

Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, machte bei der Vorstellung der Februar-Statistik deutlich: Die Beschäftigung deutscher Staatsangehöriger sinkt vor allem altersbedingt kräftig. „Es liegt ganz einfach daran, dass die Babyboomer jetzt auch wirklich in Rente gehen“, erklärte Nahles. Dieser demografische Effekt führt dazu, dass der Anteil der Menschen mit deutschem Pass unter den Beschäftigten kontinuierlich abnimmt.

Ausländer als Stütze des Arbeitsmarktes

Die Zuwächse bei der Beschäftigung werden zunehmend von Menschen aus dem Ausland getragen. Laut Nahles gab es zuletzt nur noch durch Angehörige von Staaten außerhalb der EU Beschäftigungssteigerungen. Die Beschäftigung von Ausländern wächst über alle Branchen hinweg, mit besonderem Fokus auf:

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  • Ukrainerinnen und Ukrainern
  • Angehörigen der wichtigsten Asyl-Herkunftsländer

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums waren im Dezember 5,89 Millionen Ausländer in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Plus von 224.000 im Vergleich zum Vorjahr. Davon stammen:

  1. 74.000 aus der Ukraine
  2. 65.000 aus den acht Haupt-Asylherkunftsländern
  3. 21.000 aus dem Westbalkan

Gezielte Erwerbsmigration verdoppelt sich

Neben der Fluchtmigration zeigt sich auch bei der gezielten Erwerbsmigration ein deutlicher Trend. Der Zuzug von Menschen, die primär mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme nach Deutschland kommen, hat sich seit 2020 von 200.000 auf 420.000 im Juni 2025 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig beobachtet Nahles eine Verschiebung hin zu mehr Teilzeitbeschäftigung bei gleichzeitigem Rückgang der Vollzeitstellen.

Branchenspezifische Entwicklungen und Fachkräftemangel

Die Bundesagentur für Arbeit geht für das laufende Jahr von einem Rückgang der Beschäftigung um etwa 40.000 aus. Beschäftigungsrückgänge sind weiterhin vor allem in der Industrie zu verzeichnen, während Zuwächse in der öffentlichen Verwaltung und im Dienstleistungssektor nicht ausreichen, um diese Verluste zu kompensieren.

Nahles betonte, dass der Fachkräftemangel für die deutsche Wirtschaft längerfristig ein größeres Problem darstellen werde als die aktuelle Arbeitslosigkeit. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften hat sich praktisch nicht verändert – die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 1.000 auf 638.000.

Asylgesetzgebung und Ausbildungssituation

Nahles begrüßte die beabsichtigte Änderung in der Asylgesetzgebung, die Asylbewerbern grundsätzlich erlauben soll, bereits nach drei Monaten eine Arbeit aufzunehmen. Allerdings erwartet sie keine allzu großen Auswirkungen, da diese Möglichkeit bereits jetzt für den Großteil der Geflüchteten besteht, die nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Bereits 100.000 Menschen mit laufendem Asylverfahren sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Auf dem Ausbildungsmarkt zeigen sich besorgniserregende Entwicklungen: Aktuell gibt es 345.000 gemeldete Stellen – 52.000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Bewerber stieg jedoch um 4.000 auf 298.000. Die Bundesagentur befürchtet, dass viele junge Menschen ohne Arbeitsplatz bleiben könnten, weil die Anforderungen der Betriebe nicht mit den Qualifikationen der Bewerber übereinstimmen.

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Gewerkschaftliche Forderungen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte Bundeskanzler Friedrich Merz auf, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zur Chefsache zu machen. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel kritisierte: „Drei Millionen Menschen sind derzeit ohne Arbeit und ohne Perspektive, viel zu wenig Ausbildungsplätze für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger schicken hunderttausende junge Menschen unter 25 Jahren ohne Berufsabschluss in die Abwärtsspirale. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen die Fachkräfte.“

Die Februar-Statistik basiert auf Daten, die bis zum 11. des Monats zur Verfügung standen, und zeigt einen Arbeitsmarkt im Umbruch, der zunehmend auf internationale Arbeitskräfte angewiesen ist, während gleichzeitig strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben.