Washington. Der Mann mit dem Glaskinn mimt den ultimativen Fighter. Am Montag wird er 80 Jahre alt und ist wieder der wankende Schwächling. Ein Kommentar von Dirk Hautkapp, Korrespondent in Washington.
Trumps Kampfsport-Spektakel: Ein Geburtstagsgeschenk für die Nation?
Blut, Schweiß, Tränen und Gebrüll auf dem Rasen des Weißen Hauses. Als Geburtstagsgeschenk für einen bald 80-jährigen Präsidenten und als fragwürdiges Präsent an eine Nation, die 250 Jahre Unabhängigkeit feiert, steht Donald Trumps Kampfsport-Spektakel am Wochenende für den vorläufigen Höhepunkt der „Magafizierung” Amerikas. Der Käfig vor einem der weltweit bekanntesten architektonischen Wahrzeichen ist keine Entgleisung, sondern das ehrlichste und zugleich verlogenste Bekenntnis des größten politischen Hütchenspielers des 21. Jahrhunderts.
Wie ein riesiger Greifarm ragt „The Claw“ über dem Achteck am Weißen Haus, in dem am Wochenende zum Frommen Donald Trumps und Amerikas Blut spritzen wird. Trump glaubt nicht an Politik als Ringen um Kompromisse. Er glaubt an Politik als Aggression und Konfrontation. Einer schlägt, einer fällt. Wer verliert, war nie hart genug. In dieser Welt ist das pompöse Achteck am Weißen Haus der gestreckte Mittelfinger an die liberalen Eliten im Land, die perfekte Verschmelzung von Sport, Politik und Entertainment.
Der Widerspruch zwischen Inszenierung und Realität
Seit Jahren leiht sich Trump den trittsicheren Machismo der Mixed-Martial-Arts-Gladiatoren wie einen Tuxedo, um den virilen Mann zu markieren und einen Kult des Hypermaskulinen zu propagieren. Der Widerspruch zur Wirklichkeit könnte bizarrer kaum sein: Weichei Trump behandelt jeden Kratzer an seinem Glaskinn wie eine Staatskrise. Er kann nicht einstecken und Haltung bewahren. Er verkauft Arbeiterstolz, macht aber Politik für Reiche. Er feiert Disziplin, ohne sie zu besitzen. Die „Brot und Spiele“-Show kann nicht lange von seinem Totalversagen als Präsident ablenken. Ab Montag ist er wieder der psychisch wie physisch gefährlich wankende Schwächling, der die USA in den Abgrund zu reiten droht.
Dieser Kommentar erschien zuerst in der FUNKE Mediengruppe. Folgen Sie uns auch auf Google News.



