ATF-Plan: Schusswaffen bald per Post an Privathaushalte
Die US-Bundesbehörde Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) plant eine weitreichende Änderung der Waffenverkaufsvorschriften. Künftig sollen lizenzierte Händler Schusswaffen direkt an Privatadressen von Einwohnern des jeweiligen Bundesstaates versenden dürfen, sofern diese eine Online-Identitätsprüfung und einen Hintergrundcheck durchlaufen und die örtlichen Strafverfolgungsbehörden benachrichtigen. Zudem ist eine einwöchige Wartezeit vorgesehen. Bislang müssen Online-Käufer Waffen persönlich in Geschäften abholen und einen Hintergrundcheck absolvieren, sofern sie keinen Waffenschein besitzen.
Donald Trump Jr. als Anteilseigner von GrabAGun
Von dieser Regeländerung könnte insbesondere das Unternehmen GrabAGun profitieren, das als „Amazon der Waffen“ bezeichnet wird. Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten, ist Anteilseigner und Vorstandsmitglied des Online-Waffenhändlers aus Texas. Laut US-Börsenaufsicht besitzt Trump Jr. etwa ein Prozent der Aktien des Unternehmens, das 2025 an die Börse ging und derzeit mit knapp 70 Millionen US-Dollar (rund 61 Millionen Euro) bewertet wird, wie die „Washington Post“ berichtet. Allerdings verlor das Unternehmen seit dem Börsengang erheblich an Wert, so die Nachrichtenagentur Reuters.
Branche erwartet enormes Wachstum
Die geplanten Neuregelungen wären eine der folgenreichsten Änderungen der US-Waffenpolitik seit zwei Jahrzehnten. Branchenvertreter, Waffenhändler und Befürworter schärferer Waffenkontrollen rechnen mit einem enormen Wachstum im Online-Waffenverkauf. Das ATF selbst prognostiziert, dass die Hälfte aller Waffenkäufer – fast 3,3 Millionen Menschen jährlich – eine Lieferung nach Hause nutzen würde. Experten schätzen die tatsächlichen Zahlen jedoch weit höher ein.
Trump Jr. weist Einflussnahme zurück
Ein Sprecher von Trump Jr., Andrew Surabian, erklärte, dass der Sohn des Präsidenten keine Rolle bei dem ATF-Vorschlag gespielt habe. „Don ist sein Leben lang Geschäftsmann und lautstarker Befürworter unserer Rechte aus dem Zweiten Zusatzartikel. Er steht nicht mit der Bundesregierung in Kontakt im Rahmen seiner Rolle bei einem Unternehmen, in das er investiert oder das er berät, und hatte keinerlei Beteiligung an dieser konkreten Entscheidung.“ Auch GrabAGun-Chef Marc Nemati sagte Reuters, weder er noch Trump Jr. hätten von dem Vorschlag gewusst. Die möglichen Auswirkungen würden noch geprüft.
Nemati sieht einzigartige Chance
Bereits im Mai 2025 hatte sich Nemati in einer Pressemitteilung jedoch optimistisch geäußert: „Wir glauben, dass GrabAGun einzigartig positioniert ist, um diese potenzielle Chance zu nutzen.“ Gegenüber der „Washington Post“ sagte er in einer Telefonkonferenz: „Das könnte die bedeutendste Veränderung im Vertriebsmodell des Waffenhandels seit Jahrzehnten sein.“ Derzeit verkauft und versendet GrabAGun Munition und Zubehör direkt an Verbraucher, ist aber für die Übergabe von Schusswaffen auf Zwischenhändler angewiesen.
Sicherheitsbedenken und Kritik
Kritiker warnen vor einer Verschärfung der Sicherheitslage. Sie befürchten illegalen Waffenhandel, Postdiebstahl und Strohmann-Käufe. Marianna Mitchem, eine leitende Waffenbranchenberaterin bei Everytown for Gun Safety und ehemalige ATF-Mitarbeiterin, sagte Reuters: „Das ATF sagt immer: Der Waffenladen ist die erste Verteidigungslinie bei der Waffensicherheit. Aber jetzt drehen sie das um.“ Waffengeschäfte, die die physische Anwesenheit voraussetzten, hätten historisch eine Schlüsselrolle bei der Überprüfung des Käufers gespielt.
Vetternwirtschaftsvorwürfe gegen Trump-Familie
Die Verbindungen zwischen Trump Jr. und GrabAGun werfen erneut Fragen der Vetternwirtschaft auf. Jordan Libowitz, Sprecher von Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, sagte der „WP“: „Es besteht kein Zweifel an den Verbindungen des Unternehmens zum Sohn des Präsidenten. Das wird immer Warnsignale auslösen und die Frage aufwerfen, wie Entscheidungen innerhalb der Regierung getroffen werden.“ Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses betonte hingegen, die ATF-Vorschläge seien vom Interesse der Regierung getrieben, den Zweiten Verfassungszusatz zu schützen, und hätten nichts mit den Geschäftsinteressen von Trump Jr. zu tun.
Verfahren könnte bis 2027 dauern
Der Chef der juristischen Abteilung der ATF, Robert Leider, gab gegenüber Reuters an, er sei sich der Verbindung Trumps zu GrabAGun nicht bewusst gewesen. Die vorgeschlagenen Regelungen zielten darauf ab, die Waffenbranche mit dem Rest der modernen Wirtschaft in Einklang zu bringen. Das Verfahren zur Umsetzung wird voraussichtlich erst Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen sein. Theoretisch könnte es noch geändert oder zurückgenommen werden.



