Bei einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind am frühen Montagmorgen nach Behördenangaben mindestens sieben Menschen getötet und 24 weitere verletzt worden. Der Leiter der städtischen Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte auf Telegram mit, dass Raketen und Drohnen Wohnblöcke und andere Gebäude getroffen hätten. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters von einer Reihe von Explosionen in und um Kyjiw in der Nacht. Die Luftabwehr sei gegen russische Drohnen im Einsatz gewesen.
Angriff auf historischen Stadtteil Podil
Im historischen Stadtteil Podil wurden vier Gebäude getroffen. In einem der Wohnhäuser seien viele Bewohner zunächst eingeschlossen gewesen, teilten die örtlichen Behörden mit. Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf Telegram, dass Rettungskräfte in der Nacht 15 Menschen aus dem teilweise eingestürzten Gebäude evakuieren konnten. Zuvor hatte er mitgeteilt, dass Bewohner im siebten bis neunten Stock festgesessen hätten. Tkatschenko zufolge wurden aus diesem Haus zwei Leichen geborgen. Zwei weitere Menschen seien im östlichen Bezirk Darnyzkyj ums Leben gekommen, wo Drohnentrümmer in ein 25-stöckiges Wohnhaus einschlugen. Zudem brach in einem 30-stöckigen Gebäude in Darnyzkyj ein Feuer aus. Die Bewohner Kyjiws suchten am frühen Montagmorgen Schutz in U-Bahn-Stationen und Tiefgaragen.
Selenskyj warnte vor Angriff – Polen ließ Jets aufsteigen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff gewarnt. Das Nachbarland Polen, Mitglied der Nato und der EU, ließ als Präventivmaßnahme kurzzeitig Kampfjets aufsteigen. Erst am vergangenen Donnerstag hatte Russland Kyjiw mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen angegriffen, wobei mindestens 30 Menschen getötet wurden.
Trump trifft Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels
Im zähen Ringen um ein Ende des russischen Angriffskriegs trifft US-Präsident Donald Trump am Rande des Nato-Gipfels mit Selenskyj zusammen. Die Begegnung finde am Mittwochnachmittag statt, teilte eine Regierungssprecherin mit. Der zweitägige Gipfel beginnt am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara. Ein hochrangiger US-Beamter betonte vor Journalisten, dass keine der beiden Kriegsparteien nennenswerte militärische Fortschritte mache. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten, und es gebe Angriffe beider Seiten weit ins jeweils andere Land. „Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen“, sagte der Beamte. Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkommen – und er sei sich sicher, dass sich Trump auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Verbindung setzen werde.
Selenskyj rechnet mit massiven russischen Attacken vor Gipfel
Selenskyj rechnet mit massiven russischen Angriffen noch vor dem Nato-Gipfel. In einer Warnung auf Facebook berief er sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“, sagte er. Russland wolle schlicht „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“. Gleichzeitig appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, die Flugabwehr zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch zur Verfügung zu stellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“
Melnyk fordert „betonharte“ europäische Linie
Der UN-Botschafter und ehemalige Deutschland-Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, hat die europäischen Partner zu einer harten gemeinsamen Linie in möglichen Friedensverhandlungen mit Russland aufgefordert. „Europa muss aus der Position der Stärke und ohne Rücksicht gegenüber Moskau auftreten“, sagte Melnyk den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Nur ein solcher harter Kurs wird Putin beeindrucken. Nur dann gibt es Hoffnung, dass er bei seinem Krieg einlenkt“, fügte er hinzu. Entscheidend sei, dass Europa mit einer Stimme spreche. Die Russen nutzten aus, dass es in Europa weiterhin viele unterschiedliche Herangehensweisen gebe. „Diese Kakophonie muss aufhören“, sagte Melnyk. Die Europäer müssten eine „betonharte Verhandlungsposition“ festlegen, die mit der Ukraine „voll und ganz abgestimmt“ werde.
Schäden und Opfer bei gegenseitigen Angriffen
Bei gegenseitigen Angriffen haben die Ukraine und Russland erneut für eine Reihe von Opfern und Schäden gesorgt. Der Generalstab in Kyjiw teilte auf Telegram mit, dass in der Nacht der russische Militärflughafen Gwardejskoje auf der besetzten Halbinsel Krim angegriffen worden sei. Das Ausmaß der Schäden sei vorerst nicht bekannt. Für das russische Militär gilt dieser Flughafen als wichtigster Stützpunkt auf der Krim. Daneben griffen ukrainische Militärs auch wichtige Verkehrswege für den russischen Nachschub an. Unter anderem seien zwei Straßenbrücken im Donbass zerstört worden. Russische Militärs nahmen am Nachmittag verschiedene Ziele in der ostukrainischen Großstadt Charkiw ins Visier. Bei Angriffen mit Drohnen und Raketen seien mindestens ein Mensch getötet und elf weitere verletzt worden, teilte Gouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram mit.
Polnischer Streit wegen Patriot-Raketen für die Ukraine
In Polen entspinnt sich innenpolitischer Streit wegen einer mutmaßlichen Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen an die Ukraine im Frühjahr. Die nationalkonservative PiS und andere rechte Oppositionsparteien kritisierten, die Entscheidung sei an Parlament und Präsident vorbei erfolgt. Polen brauche die PAC-3-Munition für das US-Flugabwehrsystem selbst. „Diese Raketen sind ein Schlüsselelement der Verteidigung des polnischen Luftraums gegen ballistische Raketen und andere hochentwickelte Bedrohungen“, schrieb der frühere Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf X. Die Regierung müsse die Sache sofort aufklären. Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk entgegnete, die Liste der Militärhilfen für die Ukraine sei geheim. Im März versuchte der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), mit anderen europäischen Ländern etwas mehr als 30 der gefragten Geschosse aufzutreiben. Bei einem Ramstein-Treffen im April dankte der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Polen für zusätzliche Munition. Marcin Przydacz, Außenpolitik-Berater des rechtskonservativen Präsidenten Karol Nawrocki, sagte, seinen Informationen nach habe Polen der Ukraine seinen Platz in der Bestellreihe überlassen, sodass die Polen länger warten müssten.
China und Russland halten gemeinsame Marineübung ab
China und Russland wollen nach Angaben aus Peking noch im Juli ihre jährlichen gemeinsamen Militärmanöver abhalten. Die Marineübung „Joint Sea-2026“ werde in den „Gewässern und im Luftraum“ vor Qingdao stattfinden, einem wichtigen Militärhafen im Osten Chinas, teilte das Verteidigungsministerium in Peking mit. Anschließend würden „einige Einheiten“ beider Seiten eine gemeinsame Seepatrouille in nicht näher genannten Gebieten des Pazifischen Ozeans ausführen. Die Erklärung enthielt keine Einzelheiten zum Umfang der Manöver. Diese zielten darauf ab, „gemeinsam auf sicherheitspolitische Herausforderungen zu reagieren und den Frieden und die Stabilität in der Region zu wahren“. Die Übungen werden zwei Monate nach einem Besuch Putins in China abgehalten. Putin hatte bei der Visite erklärt, die bilateralen Beziehungen hätten ein „beispiellos hohes Niveau“ erreicht.
Russland intensiviert Anwerbung von Ukrainern
Russische Geheimdienste sollen ihre Versuche verstärkt haben, ukrainische Bürger anzuwerben. Dabei würden sie sich als Mitarbeiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU) oder anderer Strafverfolgungsbehörden ausgeben, um Menschen zu Sabotageakten oder anderen illegalen Handlungen zu bewegen, teilte der Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU) mit. Nach Angaben des SBU wurden seit Beginn des Jahres 2026 gemeinsam mit der Nationalpolizei bereits Dutzende solcher Fälle aufgedeckt. Die Täter würden gefälschte Vorladungen einsetzen, mit erfundenen Strafverfahren drohen und Geld verlangen. Ihre Opfer würden sie demnach dazu drängen, Brandanschläge zu verüben, militärische Einrichtungen auszuspähen, Pakete zu transportieren oder andere rechtswidrige Handlungen zu begehen.
Trump telefoniert mit Putin und Selenskyj
Vor dem Nato-Gipfel in Ankara haben sowohl Putin als auch Selenskyj mit Trump telefoniert. Trump und Putin hätten mit Blick auf Trumps Teilnahme an dem Gipfel „über die Frage einer Lösung in der Ukraine“ gesprochen, sagte der russische Präsidentenberater Juri Uschakow. Selenskyj erklärte nach seinem Telefonat mit Trump, es bestehe „die Aussicht, den Krieg zu beenden“. Putin habe in dem Telefonat „die aktuelle Lage auf dem Schlachtfeld“ skizziert, „wo die russischen Streitkräfte selbstbewusst vorrücken“. Trump und Putin hätten in dem 85-minütigen Gespräch auch Themen wie den Iran und die Golfregion erörtert. Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, er und Trump hätten in dem „sehr guten Telefonat“ den Krieg erörtert. Sie hätten „über die aktuelle Lage an der Front sowie unsere diplomatischen Bemühungen gesprochen. Es besteht die Aussicht, diesen Krieg zu beenden, und die Entschlossenheit der USA ist entscheidend“, betonte er. Trump und er hätten vereinbart, „die Gespräche während des Nato-Gipfels in Ankara fortzusetzen“.
Selenskyj lobt Erfolge der ukrainischen Marine
Selenskyj hat die Marinestreitkräfte seines Landes für militärische Erfolge beim Kampf gegen Russland auf dem Schwarzen Meer gelobt. „Jedes reine Herz auf der Welt erwartet von der Ukraine nur eines – dass wir diese russischen Mistkerle besiegen“, zitierte ihn die Agentur Unian aus einer Ansprache vor Marineoffizieren und Kadetten in Odessa. Trotz geringer Mittel und fehlender Kriegsschiffe habe sich die Ukraine auf dem Schwarzen Meer behauptet. „Russland hat das Schwarze Meer verloren“, behauptete Selenskyj. Mit zahlreichen Aktionen beweise die Ukraine, „dass das Schwarze Meer und das Asowsche Meer für Russland ganz sicher kein Ort der Ruhe sein werden“.
Putin unterzeichnet Gesetz zur Stützung des Kraftstoffmarkts
Putin hat nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass ein Steuergesetz unterzeichnet, das für ein größeres Kraftstoffangebot auf dem heimischen Markt sorgen soll. Damit reagiert die Führung in Moskau auf akute Engpässe infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf Anlagen der Mineralölindustrie. Tass zufolge handelt es sich um Steueranreize für die Produktion von hochoktanigem Benzin durch Mischverfahren.
Ein Toter bei russischem Angriff auf Kohleförderbetrieb
Bei einem russischen Angriff auf einen Kohlebetrieb in der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk ist nach Angaben des Betreibers DTEK ein Mensch getötet worden. Fünf weitere Bergleute wurden verletzt. Der Betrieb sei vorerst eingestellt worden. Der Angriff ereignete sich den Angaben zufolge bereits am Freitag.
Selenskyj spricht mit Merz über Flugabwehr
Zwei Tage nach dem russischen Raketenangriff auf Kyjiw mit 30 Toten hat Selenskyj mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) über den Bedarf der ukrainischen Flugabwehr gesprochen. „Oberste Priorität haben derzeit Raketen für die Patriot-Systeme“, schrieb Selenskyj nach dem Telefonat in sozialen Netzwerken. Es sei darum gegangen, wie mehr Munition für die Patriot-Flugabwehrsysteme beschafft werden könne. „Russland spielt mit den Raketenangriffen auf die Ukraine seine letzte Karte aus. Es hat keine anderen Optionen mehr, um den Krieg in die Länge zu ziehen“, erklärte Selenskyj. Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos. Beste Abwehrwaffe sind die Patriot-Systeme aus US-Produktion, von denen die Ukraine aber nur wenige hat. Deutschland hat Kyjiw Patriot-Einheiten abgetreten und hilft bei der Beschaffung von Raketen dafür. Von deutscher Seite hieß es, dass Selenskyj Merz über die Folgen des Luftangriffs vom Donnerstag informiert habe. Merz habe bekräftigt, dass die Ukraine sich auf die Unterstützung Deutschlands verlassen könne.
Ukraine: Gasförderanlage nach russischem Angriff gestoppt
Ein russischer Drohnenangriff auf eine Gasförderanlage hat nach ukrainischen Angaben ein Feuer ausgelöst. Der Betrieb der Anlage in der zentralukrainischen Region Poltawa sei eingestellt worden, teilte der staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz mit. „Der Feind nimmt systematisch Gasförderanlagen ins Visier, um die heimische Produktion der Ukraine zu drosseln und die Vorbereitungen auf die Heizperiode zu erschweren“, hieß es in der Mitteilung.
Ukraine attackiert russische Ölanlagen bei St. Petersburg
Die Ukraine hat erneut russische Ölanlagen an der Ostsee bei St. Petersburg mit Drohnen angegriffen. Der Gouverneur des Umlands, Alexander Drosdenko, berichtete, dass 67 feindliche Drohnen abgeschossen worden seien. Im Hafen von Wyssozk am Finnischen Meerbusen seien Teile von Drohnen abgestürzt. Dort gibt es ein großes Terminal zur Ölverladung. Zudem scheint auch der Ölhafen von St. Petersburg selbst getroffen worden zu sein, wie Videos nahelegen. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte nur Angriffe auf das Umland, nicht auf das Stadtgebiet. Landesweit seien über Nacht 389 ukrainische Kampfdrohnen abgefangen worden. Zuletzt hatte die Ukraine Anfang Juni Tanks im Ölhafen von St. Petersburg in Brand geschossen, als dort das Internationale Wirtschaftsforum von Putin beginnen sollte.



