Ukraine-Krieg: Krim-Brücke gesperrt, Benzin-Stopp, Tote bei Angriffen
Krim-Brücke gesperrt, Benzin-Stopp, Tote bei Angriffen

Nach massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf die von Russland besetzte Krim und Ziele in Russland haben die russischen Behörden die Krim-Brücke für den Autoverkehr gesperrt. Auf der Halbinsel wurde der Benzinverkauf an Tankstellen gestoppt. In der Ukraine kamen bei russischen Angriffen mindestens fünf Menschen ums Leben.

Sperrung der Krim-Brücke und Benzin-Krise

Russische Behörden auf der annektierten Halbinsel Krim gaben in der Nacht zum 22. Juni 2026 die Schließung der Krim-Brücke zwischen Kertsch und dem russischen Festland für den Autoverkehr bekannt. Auch der Hafen Kawkas auf der russischen Seite der Straße von Kertsch sei getroffen worden, wo sich ein Kraftstoffterminal und ein Öldepot befinden. Der Fährverkehr zwischen dem Festland und der Krim wurde ebenfalls eingestellt. Der Schließung gingen neue massive ukrainische Drohnenangriffe voraus.

Auf der Krim herrscht eine Benzin-Krise. Der von Moskau eingesetzte Statthalter von Sewastopol, Michail Raswoschajew, teilte am Morgen bei Telegram mit, dass sich die Kraftstofflieferungen weiter verzögerten. Die für Sonntag geplante Zuteilung von Benzin für Autofahrer müsse abgesagt werden. Tanken sei nur noch für die operativen Dienste möglich. Sergej Aksjonow, der von Moskau eingesetzte Leiter der Halbinsel, erklärte auf Telegram, ab 9 Uhr Ortszeit am Sonntag werde Kraftstoff nur noch für Dienste bereitgestellt, die für das Funktionieren und die Sicherheit der Krim entscheidend seien.

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Ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur

Die Ukraine hat ihre Angriffe auf Verkehrsverbindungen zur Krim und auf die russische Ölinfrastruktur verstärkt. Allein die Raffinerie in Moskau wurde in der vergangenen Woche zweimal getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Streitkräfte hätten Einrichtungen auf beiden Seiten einer Brücke angegriffen, die das russische Festland mit der Krim verbindet. Der ukrainische Generalstab teilte auf Telegram mit, dass der Hafen Kavkaz in der russischen Region Krasnodar sowie ein Ölterminal in Kertsch in der Nacht getroffen worden seien. Zudem bestätigte er einen früheren Angriff auf die Ölraffinerie Tjumen. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, landesweit seien in der Nacht 239 ukrainische Drohnen abgeschossen worden.

Bei den neuen massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf die Krim wurden nach Behördenangaben im Raum Kertsch mindestens vier Menschen getötet und 28 verletzt, wie Aksjonow mitteilte. Im Kraftstoffterminal der Hafenstadt Kertsch brach ein Feuer aus, eine große Rauchwolke lag über der Region. Die Ukraine versucht seit Wochen, mit zunehmenden Angriffen die Krim von der Versorgung abzuschneiden.

Mehrere Tote durch russische Angriffe in der Ukraine

Durch russische Angriffe sind in der Ukraine mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Gemeinde Snob-Nowhorodske im nordostukrainischen Gebiet Sumy traf ein Drohnenangriff das Haus einer kinderreichen Familie, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Ein 13-Jähriger, sein Vater und seine Großmutter kamen ums Leben. Die Mutter und zwei Geschwister im Alter von 10 und 13 Jahren wurden verletzt. Die Ortschaft liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt.

In Saporischschja im Südosten der Ukraine wurde eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet, wie Militärgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere wurden verletzt. Der Flugkörper schlug in ein Haus in einem Wohngebiet ein und löste einen Brand aus.

Russland wehrt Dutzende Drohnen über Moskau ab

Die russische Luftabwehr hat am frühen Morgen nach eigenen Angaben Dutzende Drohnen über Moskau abgeschossen. Insgesamt seien fast 60 auf die Hauptstadt zusteuernde Drohnen abgefangen worden, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin über Telegram mit. Rettungskräfte seien zu den Absturzstellen entsandt worden. Der Flugverkehr an den Hauptstadtflughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo sowie im nahegelegenen Schukowski wurde vorübergehend eingestellt, erklärte die Luftfahrtbehörde.

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Selenskyj erwartet Deeskalation von Belarus

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko konkrete Schritte zur Deeskalation. „Lukaschenko muss über Worte hinaus Deeskalation demonstrieren“, sagte er in einem Interview ukrainischer Medien. Eine bloße Entschuldigung des engen Verbündeten Moskaus genüge nicht: „Sein ‚Ich entschuldige mich‘ soll er für sich behalten, das funktioniert seit dem ersten Tag des Kriegs nicht mehr.“

Belarus gilt als engster Verbündeter Russlands. Kiew sieht sich derzeit durch mehrere russische Relaisstationen auf belarussischem Gebiet bedroht, die Russland zur Steuerung von Drohnen bei Angriffen auf die Ukraine nutzt. Selenskyj hatte Lukaschenko bereits mehrfach aufgefordert, die Anlagen abzubauen: „Wenn sie es nicht abschalten, werden wir es abschalten, Punkt.“

Weitere Entwicklungen

Bei einem russischen Raketenangriff auf die südukrainische Region Odessa wurde ein Mensch getötet und drei weitere verletzt. Russland habe eine ballistische Rakete vom Typ Iskander auf einen landwirtschaftlichen Betrieb abgefeuert, teilte Gouverneur Oleh Kiper mit. Dabei seien Fahrzeuge und Treibstofftanks in Brand geraten.

Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja hat laut IAEA zum 20. Mal seit Beginn des Krieges die externe Stromversorgung verloren. Grund sei ein Problem mit den internen Stromleitungen des Kraftwerks, das die einzig verbliebene 330-Kilovolt-Verbindung beeinträchtige. Zur Aufrechterhaltung der Reaktorkühlung und anderer wichtiger Sicherheitsfunktionen seien Notstrom-Dieselgeneratoren angelaufen.