Russland ist zunehmend gezwungen, Inlandsschulden aufzunehmen, um den Krieg von Präsident Wladimir Putin gegen die Ukraine zu finanzieren. Das berichtete das US-Medium „Bloomberg“ in einer Analyse vom Donnerstag. Durch die westlichen Sanktionen ist das Land weitgehend von ausländischen Finanzquellen abgeschnitten.
Steigende Verteidigungsausgaben und Haushaltsloch
Wirtschaftsexperten prognostizieren, dass Russlands Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 die ursprünglichen Haushaltspläne um vier bis fünf Billionen Rubel (etwa 44 bis 55 Milliarden Euro) übersteigen könnten. Das wäre fast 40 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Gleichzeitig erreichte das Haushaltsdefizit in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres bereits sechs Billionen Rubel (etwa 66 Milliarden Euro) und lag damit rund 60 Prozent über dem für das Gesamtjahr vorgesehenen Zielwert.
Bereits ergriffene Maßnahmen
Moskau hatte bereits zuvor Maßnahmen ergriffen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Zu Beginn des Jahres setzte Putin die Mehrwertsteuer auf 22 Prozent herauf. Viele Russen klagten daraufhin über „explodierende Lebensmittelpreise“ und äußerten ihren Unmut in den sozialen Medien. Bereits im September des Vorjahres hatte Finanzminister Anton Siluanow angekündigt, dass eine Erhöhung der Neuverschuldung nötig sei, um das steigende Haushaltsdefizit zu decken. Er schloss damals nicht aus, dass sich die Sparmaßnahmen auf das Leben vieler Russen auswirken würden: „Uns wird weniger Geld für unsere Prioritäten bleiben.“
Schuldendienst wird zur fünftgrößten Ausgabe
Die hohen Zinsen und der steigende Finanzierungsbedarf für den Krieg lassen die Kosten des Schuldendienstes weiter steigen. Der Schuldendienst umfasst alle Zahlungen eines Schuldners, also Zinsen und Tilgung. Moskau hat für das laufende Jahr fast vier Billionen Rubel (44 Milliarden Euro) für Zinszahlungen und die Bedienung der Staatsschulden veranschlagt. Das entspricht rund neun Prozent des föderalen Haushalts und macht den Schuldendienst zum fünftgrößten Ausgabenposten des russischen Staates.
Langfristige Belastung
„Bloomberg“ rechnet vor, dass Moskau in den kommenden zehn Jahren mutmaßlich Zinszahlungen in Höhe von rund 15 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts leisten müsste. Dieser Betrag entspricht in etwa dem heutigen Umfang der gesamten russischen Staatsverschuldung. Die zunehmende Verschuldung gefährdet die wirtschaftliche Stabilität des Landes und könnte die soziale Lage weiter verschärfen.



