Gazastreifen: Mit Fußball und Bildung zurück zur Normalität
Gazastreifen: Fußball und Bildung für Normalität

Im Gazastreifen herrscht seit dem 10. Oktober 2025 eine Waffenruhe, doch die humanitäre Lage bleibt katastrophal. Dennoch versuchen viele Palästinenser, mit Sport und Bildung ein Stück Normalität zurückzugewinnen. Der ehemalige Nationalspieler Mohammed Alsdudi hat mit rund hundert Sportlern einen Fußballplatz in den Trümmern der Stadt Gaza errichtet. „Mein erstes Ziel ist es, Fußball und Sport zu einem Instrument für seelische Entlastung und psychische Unterstützung zu machen“, sagt er.

Fußball als Therapie inmitten der Zerstörung

Auf einem kleinen Kunstrasenplatz jagen Spieler dem Ball nach, Kinder klettern auf Mauerreste, um das Spiel zu verfolgen. Für viele ist dieses Spiel mehr als nur Sport: Es ist ein Treffpunkt und ein kurzer Ausbruch aus dem kriegsgeprägten Alltag. Alsdudi, dessen Haus zerstört wurde und der Familienmitglieder verloren hat, organisiert mit Spenden Turniere für Kinder und Erwachsene. „Wenn ich das Lächeln der Kinder sehe, wie sie sich gegenseitig anfeuern, habe ich wieder Kraft und Hoffnung“, erklärt er.

Waffenruhe und anhaltende Unsicherheit

Seit dem 10. Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe, und der Grenzübergang Rafah wurde teilweise geöffnet. Dennoch kommt es immer wieder zu Angriffen, und die Versorgung mit Medikamenten, Trinkwasser und Lebensmitteln ist unzureichend. Laut einem UN-Bericht kamen seit Beginn der Waffenruhe über 400 Menschen ums Leben, mehr als 1200 wurden verletzt, darunter Hunderte Kinder. Journalisten dürfen weiterhin nicht unabhängig aus dem Gazastreifen berichten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Fifa investiert in Sportinfrastruktur

Der Weltfußballverband Fifa hat 75 Millionen US-Dollar für den Wiederaufbau der zerstörten Sportinfrastruktur zugesagt. Geplant sind Dutzende Minifelder, mehrere Normfelder, eine Akademie und ein neues Nationalstadion. Die Projekte sollen innerhalb von 36 Monaten umgesetzt werden. „Wir können nicht einfach warten, bis irgendwann neue Stadien stehen“, sagt Alsdudi. „Deshalb haben wir begonnen, mit einfachen Mitteln einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen vom Krieg erholen können.“

Palästina-Marathon als Zeichen der Hoffnung

Am 8. Mai organisierte das Palästinensische Olympische Komitee erstmals seit dem 7. Oktober 2023 den Palästina-Marathon in der Westbank und parallel im Gazastreifen. 13.000 Sportler aus 88 Ländern nahmen teil, darunter 2500 aus dem Gazastreifen. Der Lauf wurde als „nationaler Tag“ und Teil des Wiederaufbaus gefeiert.

Bildungsinitiativen für Kinder

Neben dem Sport leidet auch die Bildung unter dem Krieg. Über 97 Prozent der Schulgebäude wurden beschädigt oder zerstört. Unicef hat temporäre Lernzentren eingerichtet, um über 650.000 schulpflichtigen Kindern Unterricht zu ermöglichen. Die Islamische Universität in Gaza öffnete im Dezember 2025 wieder für 3500 Studierende, während 12.000 weitere online lernen.

Zelt-Schule „Olive School of Hope“

Der Berliner Verein Transaidency betreibt die „Olive School of Hope“ in einem Flüchtlingscamp in Gaza-Stadt. 75 Kinder der ersten und zweiten Klasse lernen dort Mathematik, Arabisch und Englisch. Sie erhalten nicht nur Lernmaterial, sondern auch kostenlos Essen und Trinken. „Unser Ziel ist es, den Kindern ein Stück Normalität zu geben und ihnen das Recht auf Bildung zu ermöglichen“, sagt Koordinator Mohammed Abed.

Für Mohammed Alsdudi sind die Kinder das wichtigste Projekt: „Wir wollen sie trainieren und uns für sie einsetzen, damit es eine bessere Zukunft für uns alle gibt.“ Trotz aller Herausforderungen geben der Ball und das Lernen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration