Seit der Veröffentlichung aller Ermittlungsakten zu Jeffrey Epstein (†66) kommen immer wieder neue erschütternde Details ans Licht. Nun betrifft es eine deutsche Familie, die seit elf Jahren um ihre Tochter bangt. Die damals 22-jährige Michele packte 2015 ihren Koffer und verschwand spurlos. Ihre Familie hat sie seitdem nicht mehr gesehen. Die Polizei konnte nicht ermitteln, da es keine Hinweise auf eine Straftat gab. Doch jetzt hat sich der Fall grundlegend geändert: Der Name der Deutschen tauchte in den Epstein-Akten auf.
Wurde Michele Opfer des Epstein-Netzwerks?
Der wohlhabende Investor Jeffrey Epstein hatte Frauen und Minderjährige missbraucht. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt, 2019 beging er nach einer weiteren Anklage im Gefängnis Suizid. Seit Dezember 2025 veröffentlicht das US-Justizministerium Dokumente aus dem Gerichtsverfahren. Chatverläufe, E-Mails – zahlreiche Prominente und Politiker wie die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit und Prinz Andrew kommen darin vor. Nun tauchte auch der Name der Deutschen auf.
Die Spur zu Daniel Siad
Michele wurde von einem Mann namens Daniel Siad erwähnt. Der Schwede mit algerischen Wurzeln stand ab den 2000er-Jahren in Kontakt mit Epstein. Eigenen Angaben nach arbeitet er als Vermittler für Models. Die Akten lassen vermuten, dass er Teil des Sexhandelsnetzwerks von Epstein war. Sein Name wird über 2000 Mal in den Akten genannt. Siad beteuert heute, er habe nicht gewusst, dass Epstein Models missbrauchen würde. Recherchen von „SPIEGEL“ und „ZDF“ bringen ihn nun mit dem Verschwinden der deutschen Michele in Verbindung.
Micheles Weg ins Glamour-Leben
Michele hatte große Ambitionen und wollte Model werden, so ihre Familie. 2012 zog sie vorübergehend nach Dubai. Dort lernte sie laut ihren Eltern Daniel Siad kennen. Sie lebte ein Glamour-Leben, erzählte ihrer Mutter von Luxushotels und teuren Reisen. Wie sie das finanzierte, sagte sie ihren Eltern nicht. Seit 2015 hörten sie nichts mehr von ihr.
Fotos von Michele vor ihrem Verschwinden
Jetzt wurde bekannt: Michele war vor ihrem Verschwinden Thema in Nachrichten von Siad an Jeffrey Epstein. Zuletzt teilte er im Februar 2014 per Mail Bilder von ihr. Knapp einen Monat später fragt er Epstein, ob er nicht ein Ticket für Michele schicken wolle. Sie sei „sehr cool“. Er verspricht Epstein: „Du wirst sie lieben.“ Die E-Mails enthalten keinen Hinweis darauf, ob es sich um die vermisste Deutsche handelt und ob sie Epstein tatsächlich traf.
Schon länger besteht der Verdacht, dass Models in die Prostitution gedrängt wurden. Möglicherweise auch Michele. Ihre Familie berichtete dem „SPIEGEL“, sie habe Probleme mit Alkohol und Drogen gehabt, sei mehrmals in Kliniken gewesen. Möglicherweise wurde das ausgenutzt. Ihre Eltern erhoffen sich Antworten. Micheles Nachname und ihr Wohnort bleiben bewusst unbekannt.



