Wochenlang haben Menschen in Kenia gegen den Bau einer von den USA finanzierten Ebola-Quarantäneeinrichtung protestiert, die ausschließlich US-Bürgern zugutekommen sollte. Nun hat die kenianische Regierung das umstrittene Projekt überraschend gestoppt. Gesundheitsminister Aden Duale entschuldigte sich offiziell und ließ die Bauarbeiten sofort einstellen.
Hintergrund des Konflikts
In Kenia gibt es derzeit keine Ebola-Fälle. Das geplante Isolationszentrum war für US-Bürger vorgesehen, die sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus infiziert haben. Die kenianische Bevölkerung befürchtete, dass das tödliche Virus so auch in ihr Land eingeschleppt werden könnte. Auf Social Media und den Straßen der Hauptstadt Nairobi entbrannte eine Debatte über kolonialistisches Verhalten.
Serah Njoroge, eine Einwohnerin Nairobis, fragte: „Warum baut ihr so eine Einrichtung in meinem Land, wenn sie mir nicht zugutekommt? Außerdem soll dieselbe Einrichtung Menschen aufnehmen, die mein eigenes Leben gefährden.“
Proteste und Gewalt
In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu heftigen Protesten. Die Polizei ging gewaltsam dagegen vor. Medienberichten zufolge starben bei den Zusammenstößen mindestens drei Menschen, darunter ein 17-jähriger Schüler. Robert Kiberenge, ebenfalls aus Nairobi, kritisierte: „Warum glauben die Amerikaner, dass ihr Leben so viel wichtiger ist als das der Kenianer, dass sie in Kenia eine Einrichtung errichten, die ausschließlich für Amerikaner bestimmt ist?“
Gericht greift ein
Ein Gericht hatte bereits im Vormonat angeordnet, den Bau bis zur Verhandlung einer Menschenrechtsklage zu stoppen. Gesundheitsminister Aden Duale setzte die Bauarbeiten jedoch fort. Daraufhin wurde er am Montag wegen Missachtung des Gerichts verurteilt. Am Dienstag erfolgte die Kehrtwende: Duale entschuldigte sich und ließ den Bau der Ebola-Quarantäneeinrichtung sofort stoppen.
Reaktionen und Ausblick
Die Entscheidung wurde von der Bevölkerung und Menschenrechtsorganisationen begrüßt. Der Fall hat eine breite Diskussion über Ungleichheit und neokoloniale Strukturen in der internationalen Gesundheitspolitik ausgelöst. Die Zukunft des Projekts bleibt ungewiss; die Menschenrechtsklage ist noch nicht abgeschlossen.



