Selbstverbrennung vor UN: 52-Jähriger stirbt nach Protest gegen China
52-Jähriger stirbt nach Selbstverbrennung vor UN in New York

Ein 52-jähriger Mann ist am Donnerstag vor dem UN-Hauptquartier in New York gestorben, nachdem er sich selbst angezündet hatte. Der Mann, der eine tibetische Flagge trug, setzte sich damit gegen die chinesische Tibet-Politik zur Wehr. Die Polizei wurde gegen 18.30 Uhr Ortszeit alarmiert und fand den Mann mit schweren Verbrennungen am ganzen Körper, wie ein Sprecher der New Yorker Polizei gegenüber CNN erklärte. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er später seinen Verletzungen erlag. Die Ermittlungen zu den genauen Umständen dauern an, die Identität des Verstorbenen wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben.

Livestream dokumentiert die Tat

Ein Livestream auf Facebook zeigte, wie der Mann auf der First Avenue gegenüber dem UN-Hauptquartier stehen blieb, eine tibetische Flagge schwenkte und sich dann in Flammen setzte. Er brach zusammen, während Autos vorbeifuhren. Zwei Männer eilten herbei und löschten die Flammen mit Feuerlöschern. Ein separates Video, das etwa zur gleichen Zeit auf demselben Facebook-Account veröffentlicht wurde, zeigt einen Mann, der die Tibeter dazu aufrief, gemeinsam für die „Unabhängigkeit Tibets“ zu arbeiten und ihr Erbe und ihre Identität „niemals zu vergessen“. Er beschuldigte die chinesische Regierung, eine Politik zu verfolgen, „die darauf abzielt, die tibetische Identität, Kultur und Sprache zu zerstören“.

Hintergrund: Chinas Tibet-Politik und neues Gesetz

Die regierende Kommunistische Partei Chinas regiert Tibet seit 1951 und besteht darauf, dass Tibet seit Jahrhunderten Teil Chinas sei. Viele Tibeter stellen diese Herrschaft infrage und protestieren gegen zunehmende Einschränkungen religiöser und kultureller Praktiken sowie der tibetischen Sprache – Vorwürfe, die Peking zurückweist. Am 1. Juli trat in China ein Gesetz zur ethnischen Einheit in Kraft, das den Gebrauch der chinesischen Sprache in Schulen und Behörden in ethnischen Minderheitsregionen ausweitet und eine weitere „Sinisierung“ der Religion fordert. Tibetische Aktivisten äußerten sich besorgt über dieses Gesetz, von dem sie befürchten, dass es die kulturelle Auslöschung ethnischer Minderheiten verschärft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Seltene Selbstverbrennung auf US-Boden

Laut der tibetischen Exilregierung gab es in den letzten Jahrzehnten Dutzende Selbstverbrennungen im Zusammenhang mit Protesten gegen Chinas Herrschaft über Tibet. Der Fall in New York ist jedoch äußerst selten, da er sich auf US-amerikanischem Boden ereignete. Nach dem Vorfall versammelten sich am Donnerstagabend zahlreiche Unterstützer und Demonstranten vor dem UN-Hauptquartier, wie ein in sozialen Medien verbreitetes Video zeigt. Der prominente tibetische Schriftsteller Jamyang Norbu beschrieb den Verstorbenen in einem von tibetischen Aktivistengruppen veröffentlichten Video als Unabhängigkeitsaktivisten und Gemeindevorsteher, der in den 1980er-Jahren aus Tibet ins Exil ging und nach seinem Umzug nach New York als Taxifahrer arbeitete.

UN-Sprecher: Arbeit nicht beeinträchtigt

Ein UN-Sprecher sagte laut Associated Press, der Vorfall habe sich ereignet, nachdem alle für den Tag geplanten Sitzungen beendet waren, und die Arbeit der Vereinten Nationen sei dadurch nicht beeinträchtigt worden. Die Polizei ermittelt weiterhin zu den genauen Hintergründen der Tat.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration