Heute Nachmittag beginnt die Obduktion des toten Buckelwals „Timmy“ am Strand der dänischen Insel Anholt. Zahlreiche Schaulustige und Pressevertreter haben sich bereits eingefunden, um das seltene Ereignis zu verfolgen. Die Experten bereiten sich mit Schutzanzügen vor, während der Kadaver, aufgebläht durch Fäulnisgase, eine potenzielle Explosionsgefahr birgt. Der Wal war zuvor nach einer umstrittenen Rettungsaktion in der Nordsee freigelassen worden und wurde Tage später tot vor Anholt entdeckt.
Obduktion beginnt: Experten in Schutzanzügen
Gegen 16:15 Uhr trafen die ersten Wissenschaftler und Tierärzte am Strand ein. In Livestream-Aufnahmen war zu sehen, wie sie sich in Schutzanzüge hüllten und sich dem Kadaver näherten. Ein Traktor brachte Leitern, Kühlboxen und Warnschilder. Die Obduktion soll etwa sechs Stunden dauern, wobei die Probenentnahme auf eine Stunde begrenzt ist. Später wird der Kadaver zerteilt und in Containern abtransportiert.
Explosionsgefahr und Sicherheitsvorkehrungen
Der durch Faulgase aufgeblähte Wal birgt ein Explosionsrisiko. Eine Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums erklärte, dass die Gase kontrolliert abgelassen werden. Zuschauer sollten mindestens 100 Meter Abstand halten, da bei einer Explosion Fleischbrocken umherfliegen könnten. Zudem besteht Ansteckungsgefahr durch Krankheitserreger.
Hintergrund: Die gescheiterte Rettung
Der Buckelwal war im März und April mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandet. Eine private Initiative schleppte ihn entgegen wissenschaftlichem Rat in die Nordsee. Nach seiner Freilassung wurde er tot vor Anholt gefunden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus betonte, das Land habe keine Verantwortung übernommen, da eine Haftungsfreistellung vorliege.
Greenpeace fordert Konsequenzen
Greenpeace-Aktivistin Daniela von Schaper forderte ein Stellnetzverbot, da Fischernetze oft Todesursache für Wale seien. Die Obduktion solle klären, ob Netze im Magen oder Maul des Tiers gefunden werden. „Diese Geschichte darf sich nicht wiederholen“, so von Schaper.
Staatsanwaltschaft prüft zahlreiche Anzeigen
Die Staatsanwaltschaft Schwerin bearbeitet hunderte Vorgänge mit Wal-Bezug. Anzeigen richten sich gegen Beteiligte der Rettungsaktion, Umweltminister Backhaus und sogar Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums. Die Vorwürfe reichen von unterlassener Hilfeleistung bis zu Tierquälerei.
Tracker-Daten zeigen weite Reise
Laut Wal-Experte Jeffrey Foster legte „Timmy“ nach der Freilassung über 240 Kilometer zurück und tauchte bis zu 150 Meter tief. Der GPS-Tracker soll von den Behörden ausgewertet werden, um den genauen Todeszeitpunkt zu ermitteln.
Die Obduktion wird live von Schaulustigen und Medien verfolgt. Die Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet und könnten Aufschluss über die Todesursache geben, obwohl der Verwesungsgrad die Untersuchung erschwert.



